01. Historischer Kontext
KI ist für den DAX relevant, weil der Index bereits mehrere reale Nutznießer umfasst.
Der DAX ist kein reiner KI-Index, aber auch nicht mehr KI-agnostisch. Auf der DAX-Seite von STOXX finden sich Siemens, Allianz, SAP, Siemens Energy, Airbus, Deutsche Telekom, Munich Re, Infineon, Rheinmetall und Deutsche Bank unter den zehn größten Werten. Die direkte Nutzung von KI und Infrastruktur konzentriert sich hauptsächlich auf SAP, Siemens, Siemens Energy und Infineon. Diese Konzentration ist wichtig: KI kann den Index maßgeblich beeinflussen, selbst wenn nur wenige Schwergewichte überdurchschnittlich performen, aber sie wird den gesamten Benchmark nicht über Nacht transformieren.
| Horizont | Was muss die KI verbessern? | Aktuelle Erkenntnisse | Was würde die These stärken? | Was würde die These schwächen? |
|---|---|---|---|---|
| 1-2 Jahre | Sichtbares Umsatz- und Auftragsbestandswachstum bei KI-gestützten Führungskräften | Der Auftragsbestand für SAP Cloud ist um 20 % gestiegen, das Digitalgeschäft von Siemens um 19 %, und Infineon meldet eine sehr hohe Nachfrage nach KI-Rechenzentren. | Immer mehr DAX-Unternehmen beginnen, KI-gestützte Umsatz- oder Margensteigerungen zu quantifizieren. | Die Begeisterung für KI beschränkt sich weiterhin auf wenige Unternehmen und hat keine branchenweite Auswirkung. |
| 2028–2030 | Produktivitätsdiffusion in der gesamten deutschen Industriebasis | Die KI-Infrastruktur der EU wächst, aber die meisten öffentlich zugänglichen Belege sind immer noch unternehmensspezifisch. | Industrielle KI, Investitionen in Stromnetze und die Einführung neuer Software tragen zur Steigerung der Gesamtgewinnspanne bei. | KI bleibt ein Investitionszyklus mit geringer Gewinnmaximierung |
| 2031–2035 | Nachhaltige Unterstützung für Erträge und Bewertungen auf Indexniveau | Der DAX verfügt bereits über starke Akteure im Bereich Digitalisierung und Elektrifizierung, aber auch über viele Sektoren, die nicht stark auf KI setzen. | KI verbessert die Wettbewerbsfähigkeit in Fabriken, Logistik, Energiesystemen und Dienstleistungen. | KI wird eher zu einem Kostenfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit als zu einem differenzierenden Renditetreiber. |
Die langfristige Kursentwicklung dient als nützlicher Anker. Daten von Yahoo Finance zeigen, dass der DAX vom 31. Mai 2016 (9.680,09 Punkte) auf den 15. Mai 2026 (23.950,57 Punkte) gestiegen ist – ein Plus von 147,42 % bzw. 9,53 % annualisiert. Würde der Index diese annualisierte Rendite über weitere neun Jahre beibehalten, würde er bis 2035 etwa 54.000 Punkte erreichen. Dies ist ein optimistisches Szenario, keine realistische Prognose. Damit dieser Weg realistisch wird, müsste KI die Ertragskraft des DAX über die heutigen Gewinner aus den Bereichen Software, Chips und Netzinfrastruktur hinaus erweitern.
Auch die Bewertung spricht für Disziplin. Goldman Sachs Research gab am 15. Januar 2026 an, dass europäische Unternehmen mit dem 15-Fachen des Gewinns von 2026 gehandelt wurden, was etwa dem 70. bis 71. Perzentil ihrer historischen Entwicklung entspricht. Die deutsche Marktseite von Simply Wall St, aktualisiert am 16. Mai 2026 mit Daten von S&P Global Market Intelligence, wies ein durchschnittliches Markt-KGV von 17,2 und ein erwartetes Gewinnwachstum von 17 % pro Jahr aus. Für Anleger ist das nicht günstig genug, um für dieselbe KI-Story das Doppelte zu zahlen.
02. Schlüsselkräfte
Fünf Wege, wie KI den Index im Laufe des nächsten Jahrzehnts wesentlich verändern könnte
Der erste Kanal ist die Monetarisierung von Unternehmenssoftware über SAP. In den am 23. April 2026 veröffentlichten Ergebnissen für das erste Quartal 2026 gab SAP bekannt, dass der aktuelle Cloud-Auftragsbestand 21,9 Milliarden Euro erreichte, ein Plus von 20 % (berichtete Zahlen) bzw. 25 % (währungsbereinigt). Der Cloud-Umsatz stieg um 19 % (berichtete Zahlen) bzw. 27 % (währungsbereinigt). CEO Christian Klein führte diese Entwicklung ausdrücklich auf die positive Entwicklung im Bereich Business AI zurück. Da SAP zu den größten DAX-Werten zählt, wirkt sich dieses Wachstum bereits auf Indexebene aus, bevor es sich auf andere Bereiche auswirkt.
Der zweite Kanal ist industrielle KI und Automatisierung durch Siemens. Siemens gab am 13. Mai 2026 bekannt, dass das Digitalgeschäft im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 um 19 % gewachsen ist, der Auftragsbestand einen Rekordwert von 124 Milliarden Euro erreicht hat und KI ein klarer Wachstumstreiber für das Hardware-, Software- und Dienstleistungsgeschäft ist. Das ist von Bedeutung, denn industrielle KI ist einer der vielversprechendsten Wege für die deutsche Fertigungsindustrie, ihre Produktivität zu steigern, anstatt nur darüber zu reden.
Der dritte Vertriebskanal ist der Bereich Halbleiter und Stromversorgungssysteme von Infineon. Laut Infineons Geschäftsbericht 2025 haben sich die Umsätze mit Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren im Geschäftsjahr 2025 nahezu verdreifacht und erreichten über 700 Millionen Euro. Die Umsatzprognose für diesen Geschäftsbereich wurde für 2026 von rund 1 Milliarde Euro auf etwa 1,5 Milliarden Euro angehoben. In der Veröffentlichung der Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 am 6. Mai 2026 ergänzte das Unternehmen, dass der KI-Boom weiter an Fahrt gewinnt und die Nachfrage nach seinen Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren sehr hoch ist. Dies ist eines der deutlichsten Beispiele dafür, wie sich KI bereits in realen DAX-Erträgen niederschlägt.
Der vierte Kanal ist der für KI notwendige Netzausbau. Siemens Energy gab am 12. Mai 2026 bekannt, dass die Auftragseingänge einen Rekordwert von 17,7 Milliarden Euro erreichten, der Auftragsbestand 154 Milliarden Euro betrug und das Geschäft mit Netztechnologien so stark war, dass die Umsatzprognose für 2026 auf 14 bis 16 Prozent angehoben werden konnte. Der freie Cashflow vor Steuern wird nun auf rund 8 Milliarden Euro geschätzt. KI benötigt nicht nur Software und Chips, sondern auch Übertragungsleitungen, Netzausrüstung und eine zuverlässige Strominfrastruktur. Auch dieser Teil der Wertschöpfungskette ist im DAX enthalten.
Der fünfte Kanal ist politische Unterstützung und ein tiefgreifendes Ökosystem. Die Europäische Kommission gab am 9. April 2026 bekannt, dass bereits 19 KI-Fabriken und 13 KI-Fabrik-Antennen in Betrieb seien und dass die Ausschreibung für KI-Gigafabriken 76 Bewerbungen an 60 Standorten in 16 Mitgliedstaaten hervorgerufen habe. Laut derselben Mitteilung wurden außerdem Ausschreibungen für KI-Projekte im Wert von bis zu einer Milliarde Euro in strategischen Sektoren gestartet. Dies garantiert zwar keine DAX-Gewinne, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass Europa eine bedeutende Region für die KI-Einführung bleibt und nicht nur Infrastrukturen von außerhalb Europas nutzt.
| Faktor | Neueste Erkenntnisse | Aktuelle Bewertung | Voreingenommenheit |
|---|---|---|---|
| Software-Monetarisierung | SAPs aktueller Cloud-Auftragsbestand beträgt 21,9 Milliarden Euro, ein Plus von 20 %; der Cloud-Umsatz stieg um 19 %. | KI taucht bereits in den Finanzergebnissen eines großen DAX-Gewinners auf. | Bullisch |
| Industrielle KI-Einführung | Siemens Digitalgeschäft +19 % im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2026; KI als klarer Wachstumstreiber | Starke Indizien dafür, dass industrielle KI sich vom Konzept zur Umsatzunterstützung entwickelt | Bullisch |
| KI-Infrastruktur-Halbleiter | Infineons KI-Rechenzentrumsleistungsumsatz wird im Geschäftsjahr 2025 über 700 Millionen Euro betragen und im Geschäftsjahr 2026 voraussichtlich rund 1,5 Milliarden Euro erreichen. | Einer der deutlichsten direkten Nutznießer von KI-Einnahmen im Index | Bullisch |
| Energie und Stromnetze | Auftragsbestand von Siemens Energy: 154 Milliarden Euro; freier Cashflow vor Steuern für 2026 nun auf rund 8 Milliarden Euro geschätzt | Der Netzausbau verleiht dem DAX einen KI-Infrastrukturhebel zweiter Ordnung | Bullisch |
| Diffusion jenseits der Führungskräfte | Zu den Top-Unternehmen im DAX gehören weiterhin Versicherer, Banken, Telekommunikationsunternehmen und Luft- und Raumfahrtkonzerne mit weniger direkter KI-Monetarisierung. | Die Vorteile der KI sind real, aber immer noch eher konzentriert als breit angelegt. | Neutral |
Der wichtigste Unterschied liegt zwischen KI als Aktienauswahlthema und KI als indexweites Produktivitätsregime. Der DAX weist bereits ein beachtliches Engagement im ersten Bereich auf. Die zweite Frage wird die nächsten zehn Jahre beschäftigen.
03. Gegenstück
Warum die KI-Story Investoren immer noch enttäuschen kann
Das größte Risiko ist die Konzentration. Die DAX-Seite von STOXX zeigt, dass die Spitzengruppe des Index nach wie vor viele Unternehmen umfasst, deren Gewinne eher von Finanz-, Versicherungs-, Automobil-, Chemie-, Verteidigungs- oder Telekommunikationsunternehmen als von der direkten Monetarisierung von KI abhängen. Wenn SAP, Siemens und Infineon überdurchschnittlich abschneiden, der Rest des Index aber hinterherhinkt, kann KI Gewinner hervorbringen, ohne die Indexbewertung wesentlich zu verändern.
Ein zweites Risiko besteht darin, dass die Investitionsausgaben schneller fließen als die Produktivität. Goldman Sachs Research schrieb im Dezember 2025, dass KI-Unternehmen im Jahr 2026 mehr als 500 Milliarden US-Dollar investieren könnten, und warnte davor, dass ein etwaiger Rückgang des Investitionswachstums ein Risiko für die Bewertungen darstellt. Diese Warnung ist für den DAX relevant, da einige Nutznießer, insbesondere im Energie- und Halbleiterinfrastruktursektor, bereits für die zukünftige Nachfrage entlohnt werden, die sich erst noch in nachhaltigen Gewinnen niederschlagen muss.
Drittens können makroökonomische Bedingungen den Nutzen verzögern. Laut Destatis stieg der deutsche Verbraucherpreisindex im April 2026 um 2,9 %, und Eurostat schätzte die Inflation im Euroraum auf 3,0 % – beides energiebedingte Anstiege. Der Weltwirtschaftsausblick des IWF vom April 2026 nennt Enttäuschungen hinsichtlich der KI-gestützten Produktivität explizit als Abwärtsrisiko für Wachstum und Märkte. Sollten Energiekosten oder eine schwache Nachfrage die Gewinne aufzehren, könnte die KI-Entwicklung zwar die Unternehmensfähigkeiten verbessern, ohne die gesamtwirtschaftlichen Aktienrenditen unmittelbar zu steigern.
| Risiko | Neueste Erkenntnisse | Warum es wichtig ist | Aktuelle Voreingenommenheit |
|---|---|---|---|
| Enge Führung | Die stärksten Belege für die Monetarisierung von KI im öffentlichen Sektor finden sich bei SAP, Siemens, Infineon und Siemens Energy. | Einige wenige führende Unternehmen können überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen, ohne den gesamten Benchmark anzuheben. | Neutral |
| Die Investitionsausgaben übersteigen die Gewinne. | Goldman prognostiziert für 2026 Investitionen in KI von über 500 Milliarden US-Dollar und sieht Bewertungsrisiken bei einem verlangsamten Wachstum. | Gewinner im Infrastrukturbereich können ihre Preise senken, wenn die Märkte entscheiden, dass die Nachfrage bereits vollständig eingepreist ist. | Neutral bis bärisch |
| Makro ziehen | Deutschland: Verbraucherpreisindex 2,9 % und Inflation im Euroraum 3,0 % im April 2026 | Energieschocks und höhere Realzinsen können Produktivitätsgewinne verzögern. | Bärisch |
| Risiko der Politikdiffusion | Die EU unterstützt KI, aber die Akzeptanz muss sich noch von den Entscheidungsträgern auf die gesamte Wirtschaft ausweiten. | Politische Rahmenbedingungen sind hilfreich, garantieren aber keine breite Einkommensverteilung auf Indexebene. | Neutral |
| Bewertungshürde | In Europa liegt das KGV bei etwa 15 (basierend auf den Gewinnen von 2026), und das KGV des deutschen Gesamtmarktes beträgt 17,2. | Investoren benötigen weiterhin einen Nachweis über den Cashflow, bevor sie eine nachhaltige KI-Prämie gewähren. | Neutral |
Die pessimistische KI-Argumentation beruht daher nicht darauf, dass die Technologie gefälscht sei. Vielmehr geht es darum, dass der finanzielle Nutzen zu konzentriert, zu verzögert oder zu teuer bleiben könnte, um eine umfassende Index-Neubewertung zu bewirken.
04. Institutionelle Perspektive
Was die besten öffentlich zugänglichen Daten über den DAX 40 und KI aussagen
Die institutionelle Sichtweise auf KI in Europa ist konstruktiv, aber deutlich praxisorientierter als die gängige Markterzählung. Öffentliche Daten deuten auf vier tragende Säulen hin: die Monetarisierung von Software, der industrielle Einsatz von KI, KI-Leistungshalbleiter und der Ausbau der Stromnetze, der die Rechenleistungserweiterung ermöglicht. Das ist ausreichend, um für den DAX relevant zu sein, aber nicht genug, um jedes im DAX enthaltene Unternehmen zu einer KI-Aktie zu machen.
| Quelle | Was darin stand | Aktualisiert | Warum das hier wichtig ist |
|---|---|---|---|
| SAP-Ergebnisse des 1. Quartals 2026 | Der aktuelle Cloud-Auftragsbestand beträgt 21,9 Milliarden Euro, ein Plus von 20 %; der Cloud-Umsatz stieg um 19 %; das Management führte die Leistung auf die Dynamik im Bereich Business-KI zurück. | 23. April 2026 | Dies zeigt, dass einer der größten Gewichte im DAX bereits die Nachfrage nach KI-gestützter Software monetarisiert. |
| Siemens-Veröffentlichung im zweiten Quartal 2026 | Das Digitalgeschäft legte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 um 19 % zu; der Auftragsbestand erreichte einen Rekordwert von 124 Milliarden Euro; KI wird als klarer Wachstumstreiber bezeichnet. | 13. Mai 2026 | Unterstützt die These der industriellen KI-Produktivität innerhalb der deutschen Fertigungsbasis |
| Infineon-Jahresbericht 2025 | Der Umsatz mit KI-gestützter Rechenzentrumsleistung hat sich im Geschäftsjahr 2025 nahezu verdreifacht und liegt nun bei über 700 Millionen Euro; die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026 wurde von rund 1 Milliarde Euro auf rund 1,5 Milliarden Euro angehoben. | Veröffentlicht im Berichtszyklus 2026/2025 | Liefert seltene, konkrete Umsatzzahlen im Bereich KI von einem führenden Halbleiterunternehmen aus dem DAX. |
| Infineon-Veröffentlichung im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 | Der KI-Boom verstärkt sich weiter und Energielösungen für KI-Rechenzentren sind sehr stark nachgefragt. | 6. Mai 2026 | Bestätigt, dass sich der Nachfragetrend bis 2026 fortsetzte. |
| Siemens Energy Q2 FY2026 Veröffentlichung | Auftragseingang 17,7 Milliarden Euro, Auftragsbestand 154 Milliarden Euro, Umsatzwachstumsprognose für 2026 auf 14 % bis 16 % angehoben | 12. Mai 2026 | Zeigt, dass der DAX auch einen Teil der für KI benötigten Strom- und Netzinfrastruktur besitzt. |
| Aktualisierung des KI-Kontinents der Europäischen Kommission | 19 KI-Fabriken und 13 Antennen in Betrieb; 76 Interessensbekundungen für Gigafabriken an 60 Standorten in 16 Mitgliedstaaten; Ausschreibungen für KI-Projekte im Wert von bis zu 1 Milliarde Euro. | 9. April 2026 | Erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Europa bei der Einführung und dem Ausbau der KI-Infrastruktur weiterhin eine wichtige Rolle spielt. |
| Goldman Sachs Research | Europa könnte bei der Entwicklung von KI-Anwendungen einen Vorsprung haben; die Zahl der europäischen Einhörner hat sich seit 2016 mehr als verdreifacht und liegt nun bei 413. | 17. März 2026 | Unterstützt die Ansicht, dass Europas Chancen im Bereich der angewandten KI größer sind als bei grundlegenden Modellen. |
| IWF-Weltwirtschaftsausblick | Die Enttäuschung über die KI-gestützte Produktivität stellt ein Abwärtsrisiko für Wachstum und Märkte dar. | 14. April 2026 | Erinnert Investoren daran, dass sich der Optimismus im Bereich KI umkehren kann, wenn die gesamtwirtschaftlichen Erträge hinter den Erwartungen zurückbleiben. |
Die praktische Schlussfolgerung ist, dass KI bereits jetzt für die Marktführerschaft im DAX-Sektor relevant ist. Die offene Frage ist, wann diese Marktführerschaft so weitreichend wird, dass sie die Gewinne und Bewertungen auf Indexebene nachhaltig prägt.
05. Szenarien
Was KI im nächsten Jahrzehnt für den DAX bedeuten könnte
Ein hilfreicher Anhaltspunkt ist die Renditeentwicklung des letzten Jahrzehnts. Würde der DAX seine jährliche Wertsteigerung von 9,53 % vom aktuellen Stand von 23.950,57 Punkten wiederholen, entspräche dies einem Wert von rund 34.500 Punkten bis 2030 und etwa 54.400 Punkten bis 2035. Dies stellt eine sinnvolle Obergrenze für das optimistischste Szenario dar, keine neutrale Annahme. Ein realistisches Basisszenario sollte von einem langsameren Wachstum ausgehen, sofern die Vorteile der KI nicht weit über die heutigen Marktführer hinausreichen.
| Szenario | Wahrscheinlichkeit | Auslösen | 2030er-Bereich | 2035er-Bereich | Wann erneut prüfen? |
|---|---|---|---|---|---|
| Stier | 25 % | KI-getriebenes Gewinnwachstum weitet sich von SAP, Siemens, Infineon und Netzbetreibern auf ein breiteres Spektrum von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen aus. | 31.000–36.000 | 44.000–54.000 | Eine erneute Überprüfung ist nach jedem vollständigen Berichtsjahr und nach größeren Aktualisierungen der KI-Infrastruktur in der EU und Deutschland erforderlich. |
| Base | 50% | Künstliche Intelligenz bleibt ein realer, aber konzentrierter Gewinntreiber, während der Rest des Index nur allmählich durch Produktivitäts- und Investitionseffekte profitiert. | 27.000–32.000 | 35.000–43.000 | Jährliche Überprüfung anhand der Ertragsbreite, der Akzeptanzindikatoren und der makroökonomischen Bedingungen |
| Tragen | 25 % | Die Investitionsausgaben für KI bleiben hoch, aber die Gewinnmaximierung bleibt gering, während Energiekosten und schwaches Wachstum einen Großteil des Produktivitätspotenzials aufzehren. | 21.000–27.000 | 25.000–34.000 | Eine erneute Überprüfung ist erforderlich, sobald die Revisionsbreite deutlich nachlässt oder die KI-Ausgaben die sichtbaren Erträge übersteigen. |
Die realistischste Schlussfolgerung ist, dass KI die Führungsrolle des DAX verändern kann, bevor sie den Gesamtindex beeinflusst. Das ist nach wie vor relevant. Ein Benchmark mit Fokus auf Unternehmenssoftware, Industrieautomation, Leistungshalbleiter und Netzausrüstung bietet ein deutlich größeres Potenzial für KI als viele traditionelle Länderindizes.
Doch das nächste Jahrzehnt wird weiterhin von der Breite der Entwicklung abhängen. Bleibt die KI auf wenige Marktführer konzentriert, bietet der DAX eine bessere Auswahl an Einzelaktien. Erreichen die Produktivitätsgewinne hingegen eine breitere Ausweitung der deutschen Industrie, kann der Index selbst ein deutlich höheres Wachstum verzeichnen.
Referenzen
Quellen
- Yahoo Finance Chart-API für DAX 40: 10-Jahres-Monatsverlauf
- Yahoo Finance Chart-API für DAX 40: Aktuelle Tageskurse
- STOXX DAX-Übersichtsseite für Methodik und Top-Komponenten
- Seite zur Bewertung des deutschen Aktienmarktes von Simply Wall St auf Basis von Daten von S&P Global Market Intelligence, aktualisiert am 16. Mai 2026
- Die Ergebnisse von SAP für das erste Quartal 2026 wurden am 23. April 2026 veröffentlicht.
- Siemens-Neuerscheinung Q2 2026, veröffentlicht am 13. Mai 2026
- Infineon-Jahresbericht 2025
- Infineon-Veröffentlichung für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026, veröffentlicht am 6. Mai 2026
- Siemens Energy – Veröffentlichung für das 2. Quartal des Geschäftsjahres 2026, veröffentlicht am 12. Mai 2026
- Aktualisierung der Europäischen Kommission zum KI-Kontinent-Aktionsplan, 9. April 2026
- Goldman Sachs Research zur Anwendungsebene von KI in Europa, 17. März 2026
- Goldman Sachs Research zu KI-Investitionsausgaben, 18. Dezember 2025
- Goldman Sachs Research: Ausblick auf europäische Aktien, 15. Januar 2026
- Weltwirtschaftsausblick des IWF, April 2026
- Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex von Destatis für April 2026
- Eurostat-Schnellschätzung der Inflation im Euroraum im April 2026