Bei den US-Midterms wird der Präsident nicht neu gewählt. Im Mittelpunkt stehen der Kongress mit seinen zwei Kammern sowie zahlreiche Ämter und Abstimmungen auf Ebene der Bundesstaaten. Die Zwischenwahlen 2026 fanden am Dienstag, dem 3. November, in den USA statt. Die örtlichen Wahllokale hatten je nach Bundesstaat und Kommune unterschiedliche Öffnungszeiten; eine landesweit einheitliche Wahlzeit oder einen einzigen UTC-Offset gibt es deshalb nicht.
Für Leserinnen und Leser in Deutschland ist die wichtigste Einordnung: Das Ergebnis kann die Mehrheiten im Kongress und damit die politische Arbeit des Präsidenten verändern. Es entscheidet aber weder unmittelbar über das Präsidentenamt noch automatisch darüber, ob ein Gesetz verabschiedet wird. Stand der folgenden Einordnung ist der 4. November 2026.
Was sind Midterms, und wann fanden sie 2026 statt?
Midterm Elections heißen so, weil sie in der Mitte der vierjährigen Amtszeit eines US-Präsidenten stattfinden. Die Kongresswahlen werden alle zwei Jahre abgehalten: einmal zusammen mit der Präsidentenwahl und einmal dazwischen. Das Bundesgesetz legt den Wahltag für Kongresswahlen auf den Dienstag nach dem ersten Montag im November eines geraden Jahres fest. 2026 fiel dieser Termin auf den 3. November.
Das Datum ist landesweit festgelegt, die Durchführung aber dezentral. Die Bundesstaaten und örtlichen Wahlbehörden regeln unter anderem Wahlorte, Öffnungszeiten, Briefwahl und die Gestaltung der Stimmzettel. Wer konkrete Zeiten oder Ergebnisse prüfen will, sollte deshalb die zuständige Wahlbehörde des betreffenden Bundesstaates oder Bezirks heranziehen. Wegen der unterschiedlichen Ortszeiten gab es keinen gemeinsamen nationalen Zeitpunkt, zu dem alle Wahllokale öffneten oder schlossen.
Welche Sitze und Ämter standen zur Wahl?
| Ebene | Was gewählt wurde | Warum es wichtig ist |
| Repräsentantenhaus | Alle 435 stimmberechtigten Sitze; die Abgeordneten vertreten Wahlbezirke und werden für zwei Jahre gewählt. | Die Mehrheitspartei prägt Ausschüsse, Tagesordnung und den Weg von Gesetzentwürfen. |
| Senat | Regulär stand etwa ein Drittel der 100 Sitze zur Wahl. Senatorinnen und Senatoren haben sechsjährige, zeitlich versetzte Amtszeiten; 2026 liefen die Amtszeiten der Klasse II aus. | Der Senat stimmt über Gesetze und viele vom Präsidenten vorgeschlagene Bundesämter und Richterstellen ab. |
| Bundesstaaten und Kommunen | Je nach Wahlkalender Gouverneursämter, Parlamente der Bundesstaaten, weitere Ämter und lokale Mandate. | Diese Entscheidungen wirken sich direkt auf Landesrecht, Haushalt und regionale Verwaltung aus. |
| Volksabstimmungen | In mehreren Bundesstaaten standen zusätzlich Abstimmungen über Gesetze oder Verfassungsänderungen auf dem Stimmzettel. | Wählerinnen und Wähler konnten konkrete Sachfragen entscheiden, unabhängig von der Kongressmehrheit. |
Das Repräsentantenhaus hat 435 stimmberechtigte Mitglieder, die alle zwei Jahre gewählt werden. Daneben gibt es nicht stimmberechtigte Delegierte aus dem District of Columbia und den US-Territorien sowie einen Resident Commissioner für Puerto Rico; diese Mandate zählen nicht zu den 435 Sitzen.
Im Senat sind die Amtszeiten gestaffelt: Alle zwei Jahre wird jeweils eine andere Gruppe von ungefähr einem Drittel der Senatoren neu gewählt. Die reguläre Klasse für 2026 umfasste 33 Sitze. Bei Vakanzen können zusätzlich Sonderwahlen stattfinden. Der offizielle Senatsüberblick führt die Klasse II als jene Gruppe auf, deren Amtszeiten 2027 enden.
Auch jenseits des Kongresses war der Stimmzettel umfangreich. Nach der 2026-Übersicht der National Conference of State Legislatures (NCSL) sollten in 46 Bundesstaaten 6.139 Sitze in den Parlamenten der Bundesstaaten neu besetzt werden. Zudem waren in 39 Bundesstaaten und den Nördlichen Marianen 146 landesweite Sachabstimmungen vorgesehen. Welche weiteren Ämter und lokalen Fragen zur Wahl standen, hing vom jeweiligen Wahlgebiet ab.
Warum können Midterms die Politik verändern?
Der Kongress beschließt Bundesgesetze und wirkt an Haushalt und Ausgaben mit. Für viele Gesetze müssen sich Repräsentantenhaus und Senat auf denselben Text einigen; anschließend wird er dem Präsidenten zur Unterzeichnung vorgelegt. Gewinnt eine Partei die Mehrheit in einer Kammer, kann sie daher beeinflussen, welche Vorhaben beraten werden und welche Ausschüsse die Arbeit des Kongresses prägen. Eine Mehrheit garantiert allerdings nicht, dass ein Vorhaben Gesetz wird: Die zweite Kammer und der Präsident haben ebenfalls wichtige Rollen.
Der Senat hat zusätzliche Aufgaben. Er prüft viele Nominierungen des Präsidenten, darunter Bundesrichter und Mitglieder der Regierung. Außerdem besitzt er eine Rolle bei Verträgen mit anderen Staaten. Ein Wechsel der Senatsmehrheit kann damit nicht nur die Gesetzgebung, sondern auch Personalentscheidungen der Bundesregierung beeinflussen.
Beide Kammern kontrollieren zudem die Exekutive durch Anhörungen und Untersuchungen. Bei einem Amtsenthebungsverfahren erhebt das Repräsentantenhaus die Anklage; der Senat führt das Verfahren. Ein neuer Mehrheitsführer kann diese parlamentarische Arbeit anders ausrichten. Daraus folgt jedoch nicht, dass eine Mehrheitsverschiebung automatisch ein Amtsenthebungsverfahren oder eine bestimmte politische Entscheidung auslöst.
Wählen die Midterms den Präsidenten ab?
Nein. Die US-Präsidentenwahl ist ein eigener Wahlgang im Vierjahresrhythmus. Midterms sind keine landesweite Vertrauensabstimmung und beenden die Amtszeit des Präsidenten nicht. Sie verändern die Zusammensetzung des Kongresses und können dadurch Kooperation oder Konflikt zwischen Weißem Haus und Parlament wahrscheinlicher machen. Die Präsidentenwahl selbst findet erst wieder im nächsten regulären Präsidentschaftswahljahr statt.
Wie sollte man die Ergebnisse am Tag danach einordnen?
Erste Meldungen und Medienprojektionen sind nicht dasselbe wie ein amtlich bestätigtes Ergebnis. Die US Election Assistance Commission erklärt, dass Ergebnisse vom Wahlabend vorläufig bleiben, bis die zuständigen Wahlbehörden die Stimmen ausgezählt, abgeglichen und zertifiziert haben. Ablauf und Fristen unterscheiden sich je nach Bundesstaat und teils nach Kommune. Bei knappen Rennen können Nachzählungen oder noch auszuzählende Brief- und vorläufige Stimmen die endgültige Feststellung beeinflussen.
- Prüfen Sie zuerst die Ebene: Ein knappes Rennen um einen Senatssitz verändert die Kammermehrheit anders als eine Abstimmung über ein Gesetz in einem einzelnen Bundesstaat.
- Unterscheiden Sie Prognose und Zertifizierung: Eine ausgerufene Siegerin oder ein ausgerufener Sieger in einer Medienmeldung ist nicht automatisch das amtliche Endergebnis.
- Beachten Sie die lokalen Regeln: Öffnungszeiten, Briefwahlfristen und Zertifizierungstermine erfahren Sie bei den staatlichen und örtlichen Wahlbehörden.
Die Bedeutung der Midterms liegt somit in mehreren parallelen Entscheidungen: Wer vertritt Wahlbezirke im Kongress, welche Partei kann dort Mehrheiten bilden, und welche politischen Richtungen setzen sich in den Bundesstaaten durch? Wer die Folgen der Wahl beurteilen möchte, sollte auf jede dieser Ebenen getrennt schauen und bei knappen Rennen das zertifizierte Ergebnis abwarten.
Geprüfte Quellen
Informationsstand: 4. November 2026. Die Angaben zu Wahlzeiten und Stimmzetteln beziehen sich auf die jeweils zuständigen US-Bundesstaaten und Wahlgebiete; eine einheitliche nationale Ortszeit gibt es nicht.