01. Historischer Kontext
Eine Prognose bis 2035 bedeutet, eine Rückkehr zum Mittelwert als ernsthafte Möglichkeit zu akzeptieren.
Der DXY ist ein von ICE verwalteter, fester Aktienkorb und kein Unternehmen, daher existieren keine Kennzahlen zur Unternehmensbewertung. Geeignete Instrumente für die langfristige Bewertung sind Inflationsdifferenzen, geldpolitische Differenzen, Handels- und Kapitalverkehrsregime sowie die Korbstruktur selbst, in der allein der Euro 57,6 % des Index ausmacht.
| Horizont | Was am wichtigsten ist | Was würde die These stärken? | Was würde die These schwächen? |
|---|---|---|---|
| 2026–2028 | Inflation, Kurs der Fed und kurzfristige Wachstumslücke | Hartnäckige Inflation und langsameres ausländisches Wachstum | Schnellere Lockerung der Fed und Erholung des Euroraums |
| 2029–2032 | Produktivität und Kapitalflüsse | Die KI-gestützte Produktivität der USA bleibt dominant | Die KI-Vorteile breiten sich weltweit aus und verringern den Vorsprung der USA. |
| 2033–2035 | Strukturelle Nachfrage nach Dollar-Vermögenswerten | Erneute Nachfrage nach sicheren Anlagen oder größere Zinsdifferenzen | Anhaltende Abschwächung gegenüber Euro und Yen |
ICE weist darauf hin, dass der USDX im Februar 1985 ein Allzeithoch von 164,72 und im März 2008 ein Tief von 70,698 erreichte. Neuere Daten von Yahoo Finance zeigen eine monatliche Schlusskursspanne von 89,13 im Januar 2018 bis 112,12 im September 2022 über einen Zeitraum von zehn Jahren. Diese historische Entwicklung mahnt zur Bescheidenheit: Selbst lange Zyklen des Dollars können sich schneller umkehren, als oft angenommen wird.
Das langfristige Basisszenario sollte daher nicht davon ausgehen, dass die Dollarprämie nach 2022 bis 2035 unverändert bleibt. Es sollte vielmehr von einer periodischen Rückkehr zum Mittelwert ausgehen, sofern keine neuen strukturellen Erkenntnisse vorliegen.
02. Schlüsselkräfte
Fünf strukturelle Kräfte, die DXY bis 2035 prägen werden
Der erste Faktor ist die langfristige Entwicklung der US-Zinsen. Die Prognosen der Fed vom März 2026 deuten bereits auf eine Normalisierung der Geldpolitik hin, mit einem Medianzins von 3,1 % bis 2027. Sollte sich dieser Trend im nächsten Zyklus fortsetzen, verliert der Dollar als derzeitige Renditestütze mit der Zeit deutlich an Bedeutung.
Der zweite Faktor ist die US-Produktivität. Goldman Sachs prognostiziert für den Zeitraum 2025–2029 ein durchschnittliches BIP-Wachstum von rund 2,1 % und erwartet für die frühen 2030er-Jahre eine Beschleunigung auf 2,3 %, da KI das Wachstum weiter ankurbeln wird. Dies ist der überzeugendste langfristige Grund dafür, dass der DXY-Index stabiler bleiben könnte, als es die derzeitigen Prognosen für einen fallenden Dollar vermuten lassen.
Die dritte Kraft ist die globale Wachstumsverteilung. Der IWF prognostiziert ein weltweites Wachstum von 3,1 % im Jahr 2026 und 3,2 % im Jahr 2027, warnt jedoch vor Abwärtsrisiken durch Konflikte, Fragmentierung und Handelsspannungen. Eine schwächere und fragmentiertere Welt stützt in der Regel den Dollar; eine breitere Erholung schwächt diese Stütze.
Der vierte Faktor ist die Portfolioausrichtung institutioneller Anleger. Die langfristigen Prognosen von JP Morgan Asset Management für 2026 gehen von einer jährlichen Dollar-Abwertung von 0,6 % gegenüber dem Euro aus. Das mag moderat erscheinen, doch über ein Jahrzehnt summiert sich dies zu einem spürbaren Gegenwind für den DXY.
Der fünfte Faktor ist die Zusammensetzung des Währungskorbs. Der DXY-Index mag zwar wie eine breit angelegte Dollar-Strategie erscheinen, reagiert aber in der Praxis sehr sensibel auf den Euro. Das bedeutet, dass langfristig optimistische Anleger im DXY-Index nicht nur eine tragfähige Annahme einer soliden US-Währung, sondern auch eine überzeugende Begründung für eine schwache Euro-Performance benötigen.
| Faktor | Aktuelle Bewertung | Voreingenommenheit | Was man sehen sollte |
|---|---|---|---|
| US-Zinsvorteil | Noch immer positiv, aber der Kurs der Fed deutet auf einen niedrigeren Kurs hin. | Neutral | Wie weit sich die endgültigen Realzinsen einpendeln |
| Produktivität / KI | Mögliche Unterstützung aus den USA, falls Goldman im Großen und Ganzen richtig liegt. | Neutral bis bullisch | Ob KI die US-Produktion stärker steigert als die Produktion vergleichbarer Unternehmen |
| Globale Fragmentierung | Der IWF warnt weiterhin, dass die Abwärtsrisiken überwiegen. | Milder Bulle | Konflikte, Handelspolitik und Rohstoffschocks |
| Institutionelle Dollar-Perspektive | Goldman Sachs und JP Morgan tendieren im Laufe der Zeit zu einem schwächeren US-Dollar. | Milder Bär | Änderungen der Annahmen zur Vermögensnachfrage |
| Korbkonzentration | Euro dominiert weiterhin den DXY | Milder Bär | Langfristiger Euro-Zyklus im Vergleich zum Dollar |
Anders formuliert: Im Szenario für 2035 geht es um einen Wettstreit zwischen der Produktivitätsführerschaft der USA und der zunehmenden Annahme des Marktes, dass die außergewöhnliche Dollarprämie nach der Pandemie schwinden wird.
03. Gegenstück
Was würde den DXY-Index bis 2035 in den niedrigen 90er- oder 80er-Bereich treiben?
Das plausibelste Bärenszenario ist eine Welt, in der die USA zwar stabil bleiben, aber nicht mehr eindeutig überlegen sind. Wenn die Fed ihre Geldpolitik normalisiert, die Inflation unter Kontrolle bleibt und das Wachstum im Euroraum und in Japan nicht mehr so stark hinterherhinkt, kann der DXY-Index ohne Krise fallen. Das ist die Kernlogik hinter gemäßigten institutionellen Dollar-Bären-Szenarien.
Ein zweites Risiko besteht darin, dass KI-gestützte Produktivitätssteigerungen kein rein amerikanisches Phänomen sind. Laut IWF könnte KI die globale Produktivität mit den richtigen politischen Maßnahmen um bis zu 0,8 Prozentpunkte pro Jahr steigern, während die OECD angibt, dass neuere generative KI-Tools die Leistung bei bestimmten Aufgaben je nach Kontext um etwa 20 bis 40 Prozent verbessern können. Sollten sich diese Vorteile weltweit verbreiten, schrumpft der relative Vorsprung der USA.
Das dritte Risiko besteht darin, dass sich die langfristigen Kapitalströme stärker diversifizieren als erwartet. DXY-Bullen gehen oft von einer anhaltenden Nachfrage nach US-Anlagen aus; diese Annahme muss jedoch über ein Jahrzehnt hinweg neu begründet werden und darf nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden.
| Risiko | Aktuelle Bewertung | Warum es wichtig ist | Voreingenommenheit |
|---|---|---|---|
| Globaler KI-Aufholprozess | Sowohl IWF als auch OECD halten Produktivitäts-Spillover für plausibel. | Verringert den relativen Vorteil der USA | Neutral bis tragen |
| Niedrigere US-Zinssätze | Der Median der Fed wird bis 2027 bereits niedriger ausfallen. | Entfernt mit der Zeit die Carry-Unterstützung | Tragen |
| Euro-geführtes DXY-Dragster | Das Gewicht des Korbes bleibt mit 57,6 % das dominierende Strukturmerkmal. | Die Stärke des Euro kann den DXY-Index selbst bei guten US-Daten drücken. | Milder Bär |
| Diversifizierung der Kapitalströme | Goldman nennt die sinkende Nachfrage nach US-Vermögenswerten als Grund. | Die langfristige Nachfrage nach Vermögenswerten treibt den strategischen Trend an | Milder Bär |
Die langfristigen Bärenmarkt-Szenarien gewinnen deutlich an Gewicht, wenn der Dollar schwächer wird, während das US-Wachstum lediglich durchschnittlich ist und die globalen Produktivitätssteigerungen zunehmen. Dies unterscheidet sich von einem kurzfristigen taktischen Kursrückgang.
04. Institutionelle Perspektive
Welche Implikationen institutionelle Forschung für die Debatte von 2035 hat
Laut Goldman Sachs dürfte der Dollar im Jahr 2026 weiter an Wert verlieren. Dieselbe Forschungsplattform prognostiziert jedoch auch ein potenzielles US-BIP-Wachstum von über 2 % in den nächsten Jahren und 2,3 % Anfang der 2030er-Jahre, da KI das Wachstum ankurbeln wird. Diese Kombination ist vorteilhaft: ein taktisch schwächerer Dollar und eine strategisch weiterhin solide US-Konjunkturkapazität.
Der LTCMA 2026 von JP Morgan Asset Management liefert eine präzisere Währungsprognose und sagt eine jährliche Dollar-Abwertung gegenüber dem Euro von 0,6 % über den Prognosezeitraum voraus. Dies ist einer der deutlichsten veröffentlichten institutionellen Datenpunkte für einen langfristigen Abwärtstrend im DXY, insbesondere aufgrund des hohen Anteils des Euro im Währungskorb.
Der Weltwirtschaftsausblick (WEO) des IWF vom April 2026 und spätere Analysen zur Künstlichen Intelligenz (KI) halten die Gegenposition weiterhin präsent. Der IWF betont, dass die globalen Abwärtsrisiken nach wie vor dominieren, argumentiert aber gleichzeitig, dass KI die globale Produktivität erheblich steigern könnte, sofern die Länder entsprechend vorbereitet sind. Diese beiden Faktoren wirken sich auf den DXY-Index in entgegengesetzte Richtungen aus, und genau deshalb ist eine breite Prognosespanne für 2035 besser zu rechtfertigen als eine Prognose mit nur einer einzigen Zahl.
| Institution | Aktualisiert | Was es aussagt | Implikationen für DXY |
|---|---|---|---|
| Goldman Sachs | Ausblick 2026 und Produktivitätsprognose für Oktober 2025 | Der Dollar dürfte 2026 schwächer sein, aber das potenzielle US-BIP dürfte bis 2029 bei rund 2,1 % und Anfang der 2030er Jahre bei 2,3 % liegen. | Kurzfristige Abschwächung, längerfristige Unterstützung, sofern die Produktivitätsführerschaft anhält |
| JP Morgan Asset Management | 2026 LTCMA | Der Dollar schwächte sich gegenüber dem Euro um annualisiert 0,6 % ab. | Säkularer Widerstand gegen DXY |
| IWF | April 2026 WEO und Februar 2026 KI-Hinweis | Globales Wachstum von 3,1 % im Jahr 2026 und 3,2 % im Jahr 2027; KI könnte die globale Produktivität um bis zu 0,8 Prozentpunkte pro Jahr steigern. | Sowohl Volatilitätsunterstützung als auch langfristiges Konvergenzrisiko |
| OECD | KI-Materialien 2026 | Generative KI kann die Leistung bei spezifischen Aufgaben um etwa 20–40 % verbessern, die Auswirkungen auf die Gesamtheit hängen jedoch von der Verbreitung ab. | Eine breite Einführung von KI könnte den US-amerikanischen Vorteil schmälern. |
Das institutionelle Bild ist weder einheitlich pessimistisch noch optimistisch. Es ist bedingt, weshalb die Prognose weiterhin szenariobasiert bleiben sollte.
05. Szenarien
Wahrscheinlichkeitsgewichtete Bereiche bis 2035
Langfristige Szenarien sind nur dann hilfreich, wenn die Auslöser so eindeutig sind, dass sie sich über einen längeren Zeitraum testen lassen.
| Szenario | Wahrscheinlichkeit | Zielbereich | Auslösebedingungen | Wann sollte man es erneut besuchen? |
|---|---|---|---|---|
| Basisfall | 60% | 92-104 | Die Fed normalisiert ihre Geldpolitik, die US-Produktivität bleibt solide, aber die institutionelle Dollar-Schwäche setzt sich allmählich fort. | Jährliche Überprüfung jedes Dezember |
| Bullenfall | 15% | 105-115 | Die US-Produktivität übertrifft die vergleichbarer Länder deutlich, globale Schocks halten die Nachfrage nach sicheren Anlagen hoch und die Zinsdifferenzen bleiben groß. | Nach wesentlichen Veränderungen des Produktivitäts- oder Inflationsregimes eine Neubewertung vornehmen |
| Bärenfall | 25 % | 84-91 | Die Fed lockert die Geldpolitik stärker als erwartet, die KI-Gewinne verteilen sich weltweit, und Euro oder Yen erholen sich über mehrere Zyklen. | Eine erneute Bewertung ist erforderlich, wenn der DXY-Wert ein Jahr lang unter 92 liegt. |
Bis 2035 würde ein Wert über 115 wahrscheinlich ein erneutes Krisenniveau des Dollars erfordern. Ein Anstieg in den Bereich um 85 würde vermutlich mehr als nur eine Lockerung der Geldpolitik durch die Fed erfordern; dazu bräuchte es eine anhaltende Verringerung der US-Makro- und Kapitalflussprämie.
Die nüchterne Schlussfolgerung lautet, dass DXY weiterhin als Indikator für das makroökonomische Machtgleichgewicht betrachtet werden sollte. Prognosen mit einem so langen Zeithorizont sollten regelmäßig aktualisiert und nicht aufgrund trügerischer Präzision bewundert werden.
Referenzen
Quellen
- Yahoo Finance-Chartdaten für den US-Dollar-Index (10-jährige monatliche Reihe)
- Überblick über den ICE US-Dollar-Index
- Methodik der ICE FX-Indizes
- Erklärung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) vom 29. April 2026
- Zusammenfassung der Wirtschaftsprognosen der Federal Reserve, 18. März 2026
- Weltwirtschaftsausblick des IWF, April 2026
- IWF zur KI-Vorbereitung und Produktivität, Februar 2026
- Goldman Sachs Prognoseseite 2026
- Goldman Sachs über das US-Wachstumspotenzial und die Produktivität von KI
- JP Morgan Asset Management – Langfristige Kapitalmarktannahmen 2026
- OECD-Überblick über künstliche Intelligenz und Produktivität