Neobroker im Vergleich 2026: Gebühren, PFOF-Verbot und Risiken – Stand November 2026

Stand der Quellenprüfung: 4. November 2026, 23:02 Uhr Mitteleuropäische Zeit (MEZ, UTC+01:00); 22:02 Uhr UTC.

Ein Neobroker-Depot lässt sich in Deutschland oft ohne monatliche Depotgebühr führen. Doch seit dem 1. Juli 2026 gelten neue Spielregeln für die Vergütung von Wertpapieraufträgen: Nach dem Ende der deutschen Übergangsfrist verbietet die EU bestimmte Zahlungen von Dritten für die Weiterleitung von Kundenorders („Payment for Order Flow“, PFOF). Für Anleger ist deshalb ein erneuter Neobroker-Vergleich sinnvoll. Entscheidend sind nicht nur die beworbenen Null-Euro-Preise, sondern die tatsächlichen Gesamtkosten einer Ausführung, die Auswahl an ETFs und Handelsplätzen sowie der Schutz von Guthaben.

Die aktuell veröffentlichten Preisübersichten von Trade Republic, Scalable Capital und finanzen.net ZERO zeigen unterschiedliche Bedingungen für Einzelorders, kleine Handelsbeträge und Sparpläne. Eine pauschale Aussage, welcher Broker immer der günstigste ist, wäre dennoch irreführend: Der Kaufkurs, der Spread und mögliche Produktkosten können den Preisvergleich verschieben.

Destaques

  • Neue EU-Regel: Die deutsche PFOF-Übergangsfrist endete am 30. Juni 2026. Daraus folgt kein automatischer Anspruch auf kostenfreien Handel.
  • Ordergebühren: Trade Republic nennt 1 Euro Abwicklungspauschale; Scalable unterscheidet zwischen FREE und PRIME+; finanzen.net ZERO verlangt bei bestimmten Kleinorders 1 Euro Zuschlag.
  • Gesamtkosten: Spreads, ETF-Kosten, Handelsplatz und Kaufzeitpunkt sind ebenso wichtig wie die ausgewiesene Ordergebühr.
  • Sicherheit: Bankeinlagen, verwahrte Wertpapiere und Geldmarktfonds sind rechtlich unterschiedlich geschützt.
Smartphone mit Wertpapierkursen neben Notizbuch zum Neobroker-Vergleich auf einem Schreibtisch
Symbolbild: Beim Neobroker-Vergleich zählen Gebühren, Handelsangebot und Risiken – nicht allein der Preis pro Order.

Was hat sich 2026 für Neobroker in Deutschland geändert?

Nach Artikel 39a der EU-Finanzmarktverordnung MiFIR dürfen Wertpapierfirmen für die Ausführung oder Weiterleitung von Kundenaufträgen an einen bestimmten Ausführungsplatz grundsätzlich keine entsprechenden Zuwendungen von Dritten erhalten. Deutschland nutzte die zeitlich begrenzte Ausnahme bis zum 30. Juni 2026. Das Ende der Ausnahmeregelung verändert den regulatorischen Rahmen seit Juli 2026. Es sagt für sich genommen aber noch nicht aus, wie sich die Preise bei jedem einzelnen Broker entwickeln werden.

Für den konkreten Handel bleibt die Pflicht zur bestmöglichen Ausführung maßgeblich. Nach den europäischen Vorgaben umfasst das Ergebnis für Privatanleger insbesondere den Wertpapierpreis und sämtliche direkt mit der Order verbundenen Ausführungskosten. Wer nur die sichtbare Provision vergleicht, übersieht daher möglicherweise einen ungünstigeren Kauf- oder Verkaufskurs. Grundlage sind die MiFIR-Regeln zum PFOF-Verbot und die ESMA-Darstellung zur bestmöglichen Ausführung.

Neobroker im Gebührenvergleich: Trade Republic, Scalable Capital und finanzen.net ZERO

Die folgende Übersicht bezieht sich auf öffentlich einsehbare Konditionen für Privatkunden in Deutschland zum Prüfzeitpunkt. Sie ist kein vollständiges Preis- und Leistungsverzeichnis: Sonderfälle, Produktkosten, Spreads und Gebühren für bestimmte Börsen oder Leistungen sind zusätzlich zu kontrollieren.

AnbieterEinzelorder laut AnbieterETF- und AktiensparpläneWorauf zusätzlich achten?
Trade RepublicKeine Orderprovision; regelmäßig 1 Euro Abwicklungspauschale pro Trade im angegebenen ModellAusführung ohne eigene Ordergebühr laut AnbieterAbwicklungsmodell, Spread und mögliche gesonderte Kosten bei Auswahl anderer Preisoptionen
Scalable Capital FREE0,99 Euro je regulärem Trade über European Investor Exchange (EIX); bestimmte PRIME-ETF-Käufe ab 250 Euro gebührenfrei0 Euro Ausführungsgebühr1,99 Euro je Trade bei Wahl von Xetra oder gettex; Produkt- und Spreadkosten
Scalable Capital PRIME+4,99 Euro Monatsgebühr; reguläre Trades über EIX ab 250 Euro ohne Ordergebühr, darunter 0,99 Euro0 Euro AusführungsgebührAbweichende Kosten je Handelsplatz, Monatsgebühr auch bei wenigen Trades
finanzen.net ZERO0 Euro Ordergebühr laut Anbieter; 1 Euro Mindermengenzuschlag bei bestimmten Orders unter 500 EuroSparplankonditionen je Instrument prüfenWertpapierhandel über gettex, Spreads und besondere Kosten bei Bruchstücken

Quellen: Trade Republic – Preisübersicht, Scalable Capital – Trading-Gebühren und finanzen.net ZERO – Funktionen und Kosten. Preise und Aktionen können sich ändern; vor einer Order gelten die in der App angezeigten konkreten Kosteninformationen.

Wie viel kosten Spreads beim Kauf und Verkauf?

Der Spread ist die Differenz zwischen Geldkurs (Verkaufskurs) und Briefkurs (Kaufkurs). Beispiel: Bei einem Börsenwert von 1.000 Euro entspricht eine Geld-Brief-Spanne von 0,30 Prozent rechnerisch 3 Euro. Diese Spanne ist kein separat abgebuchter Gebührenposten, kann die effektive Ausführung aber verteuern. Die tatsächliche Belastung hängt vom ausgeführten Kurs, der Liquidität und den Marktbedingungen ab.

Besonders bei wenig gehandelten Aktien, sehr kleinen Aufträgen sowie außerhalb der Haupthandelszeit des Referenzmarktes können Spreads breiter sein. Deshalb sollten Anleger eine Limitorder erwägen, die angezeigten Geld- und Briefkurse vergleichen und bei größeren Aufträgen prüfen, ob ein anderer Handelsplatz insgesamt günstiger ist. Ein Limit begrenzt den maximalen Kaufpreis beziehungsweise minimalen Verkaufspreis, garantiert aber keine Ausführung.

Lohnt sich ein kostenpflichtiges Flatrate-Modell?

Das hängt von Zahl und Größe der Orders ab. Die 4,99 Euro Monatsgebühr bei Scalable PRIME+ stehen im Beispiel gegen 0,99 Euro pro regulärem EIX-Trade im FREE-Modell. Wer ausschließlich solche vergleichbaren Trades ab 250 Euro ausführt, erreicht rechnerisch erst ab sechs Trades pro Monat eine niedrigere Summe der genannten Gebühren. Der tatsächliche Vergleich kann wegen gebührenfreier ETF-Aktionen und verschiedener Handelsplätze anders ausfallen. Für einen einzelnen ETF-Sparplan genügt häufig ein kostenloses Modell.

Welche ETFs, Aktien und Handelsplätze sollte ein guter Neobroker anbieten?

Ein großes Produktsortiment ist nur dann nützlich, wenn die gewünschten Wertpapiere tatsächlich darunter sind. Vor der Depoteröffnung sollten Anleger die ISIN ihres bevorzugten ETFs, die Fondswährung, Ausschüttungsart, Sparplanfähigkeit und laufende Fondskosten prüfen. Bei weltweiten Aktien-ETFs zählen insbesondere Indexabdeckung, Replikationsmethode und Gesamtkostenquote des Fonds, nicht nur die Zahl der in der App sichtbaren ETFs.

Bei Einzelaktien sind zusätzlich Handelsplatzwahl, Ordertypen wie Limit und Stop, Verfügbarkeit ausländischer Börsen und der Umgang mit Bruchstücken relevant. Ein Broker mit nur einem Handelsplatz kann für einfache Sparpläne vollkommen ausreichen, bei selten gehandelten Titeln jedoch weniger Ausweichmöglichkeiten bieten. Dasselbe gilt bei Ausfällen einer Handelsplattform: Ein alternativer Orderkanal und verlässlicher Kundensupport können dann wichtiger werden als wenige Cent Gebührenunterschied.

Welche Risiken haben Neobroker? Einlagensicherung ist nicht gleich Depotschutz

Verrechnungsguthaben bei einer Bank sind grundsätzlich über die jeweilige gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank geschützt, sofern die Voraussetzungen vorliegen. Wertpapiere im Depot sind dagegen keine Bankeinlagen. Sie gehören wirtschaftlich grundsätzlich dem Anleger; bei einer Insolvenz der verwahrenden Bank besteht regelmäßig ein Anspruch auf Herausgabe oder Übertragung. Das bewahrt nicht vor Kursverlusten.

Wenn ein Institut Wertpapiere oder berechtigte Forderungen aus Wertpapiergeschäften nicht mehr herausgeben kann, kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen die Anlegerentschädigung greifen. Die BaFin nennt grundsätzlich 90 Prozent der entsprechenden Forderungen, höchstens 20.000 Euro. Diese Absicherung ersetzt weder Wertverluste einer Aktie noch Verluste durch schlechte Anlageentscheidungen. Die BaFin erklärt die Unterschiede zwischen Einlagensicherung und Anlegerentschädigung.

Besonders aufmerksam sollten Anleger die Konditionen verzinster Broker-Guthaben lesen. Ein Teil des Geldes kann je nach Anbieter und Produkt in Geldmarktfonds statt auf einem Bankkonto liegen. Fondsanteile unterliegen nicht der gesetzlichen Einlagensicherung; für sie gelten andere Schutzmechanismen und Marktrisiken. Auch bei Kryptoprodukten, Derivaten und gehebelten Wertpapieren sind hohe Verluste bis hin zum Totalverlust möglich. Ein sicheres Depot macht ein riskantes Produkt nicht sicher.

Wie lässt sich der beste Neobroker für das eigene Anlageverhalten finden?

Ein Vergleich sollte mit dem eigenen Nutzungsprofil beginnen. Wer monatlich 100 Euro in einen breit gestreuten ETF investiert, benötigt vor allem einen passenden Sparplan, zuverlässige Ausführung, verständliche Steuerunterlagen und niedrige laufende Produktkosten. Wer dagegen regelmäßig größere Aktienorders platziert, muss Handelsplätze, Kursqualität und Gebühren je Ausführung vergleichen. Für langfristige Anleger spielen außerdem Depotübertrag, Support, Zwei-Faktor-Authentifizierung und der Umgang mit Kapitalmaßnahmen eine Rolle.

  1. Anlageziel festlegen: Sparplan, langfristiges Einzelaktiendepot oder aktives Trading?
  2. Kosten einer typischen Order prüfen: Kauf- und Verkaufskosten, Spread, laufende Produktkosten und mögliche Monatsgebühr zusammen betrachten.
  3. Produktverfügbarkeit verifizieren: Gesuchte ISINs und Sparpläne vor der Registrierung im Angebot suchen.
  4. Schutz und Abwicklung verstehen: Depotführendes Institut, Verwahrstelle, Guthabenverteilung, Steuerabzug und Depotübertragung nachvollziehen.
  5. Bedienung testen: Ordervorschau, Limits, Kontoabsicherung und Erreichbarkeit des Supports kontrollieren.

Für in Deutschland steuerpflichtige Privatanleger ist zusätzlich relevant, ob der Anbieter die Kapitalertragsteuer abführt und einen Freistellungsauftrag unterstützt. Der gesetzliche Sparer-Pauschbetrag beträgt nach dem Einkommensteuergesetz 2026 grundsätzlich 1.000 Euro pro Person beziehungsweise 2.000 Euro bei zusammen veranlagten Ehegatten. Eine einfache steuerliche Abwicklung kann bei kleinen Gebührendifferenzen den Ausschlag geben. Siehe Bundesfinanzministerium, § 20 EStG.

Ausblick: Werden Neobroker nach dem PFOF-Verbot teurer?

Gesichert ist die seit Juli 2026 geltende europäische Einschränkung bestimmter Zahlungen für Orderweiterleitungen. Offen bleibt, ob und wie einzelne Anbieter ihr Geschäftsmodell oder ihre Preistabellen künftig anpassen. Ein allgemeiner Gebührenanstieg lässt sich daraus nicht ableiten. Anleger sollten daher nicht auf Prognosen reagieren, sondern bei jeder Tarifänderung die offizielle Preisliste und die konkreten Orderkosten prüfen. Ausschlaggebend ist der effektive Preis für die eigene Handelsstrategie, nicht eine pauschale Rangfolge der Anbieter.

FAQ: Häufige Fragen zum Neobroker-Vergleich

Sind Neobroker wirklich kostenlos?

Nein, nicht vollständig. Auch bei 0 Euro Ordergebühr können Spreads, Fondskosten, Zuschläge für Kleinorders oder Zusatzleistungen anfallen.

Sind Aktien und ETFs bei einer Broker-Pleite verloren?

Grundsätzlich nicht: Verwahrte Wertpapiere sind keine normalen Bankeinlagen und können in der Regel herausverlangt oder übertragen werden. Marktverluste bleiben allerdings beim Anleger.

Welcher Neobroker eignet sich für einen ETF-Sparplan?

Derjenige, der die gewünschte ETF-ISIN regelmäßig und günstig ausführt, transparente Kosten zeigt und die erforderlichen Funktionen sowie einen verlässlichen Depotservice bietet. Ein universeller Testsieger lässt sich daraus nicht ableiten.

Hinweis: Dieser Vergleich dient der allgemeinen Information und ist keine persönliche Anlage- oder Steuerberatung. Konditionen können sich jederzeit ändern.

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