Grippeimpfung 2026/27: Für wen sie empfohlen wird und wann sie sinnvoll ist

Stand: 27. Oktober 2026. Die Grippeimpfung wird in Deutschland jährlich neu für bestimmte Personengruppen empfohlen. Maßgeblich sind die aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI). Für die Saison 2026/27 nennt das RKI unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Personen mit bestimmten Grunderkrankungen und Menschen mit erhöhtem beruflichem oder privatem Ansteckungsrisiko. Wer nicht zu diesen Gruppen gehört, kann die Impfung trotzdem erwägen; daraus folgt jedoch nicht automatisch eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse.

Für wen empfiehlt die STIKO die Grippeimpfung?

Die Empfehlung richtet sich vor allem an Menschen, bei denen eine Influenza schwerer verlaufen kann, sowie an Personen, die besonders gefährdete Menschen anstecken könnten. Eine jährliche Impfung wird laut RKI für folgende Gruppen empfohlen:

  • Alle Menschen ab 60 Jahren. Für diese Altersgruppe empfiehlt die STIKO einen inaktivierten Hochdosis-Impfstoff oder einen MF-59-adjuvantierten Impfstoff. Ein Adjuvans ist ein Wirkverstärker, der die Immunantwort unterstützen soll. Die Auswahl des konkreten Präparats klärt die impfende Praxis.
  • Schwangere: grundsätzlich ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel. Bei einer zusätzlichen gesundheitlichen Gefährdung durch eine Grunderkrankung kann die Impfung bereits im ersten Drittel empfohlen sein. Stillen ist kein genereller Hinderungsgrund.
  • Menschen ab sechs Monaten mit bestimmten Grunderkrankungen. Dazu zählen zum Beispiel chronische Erkrankungen der Atemwege, des Herzens oder Kreislaufs, der Leber oder Nieren, Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten, bestimmte neurologische Erkrankungen sowie eine angeborene oder erworbene Immunschwäche. Bei Kindern mit einer solchen Erkrankung sollte die Kinderarztpraxis Impfstoff und Dosierung festlegen.
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen.
  • Enge Kontaktpersonen von Risikopatienten: etwa Menschen im selben Haushalt oder Personen, die gefährdete Menschen betreuen und für sie eine mögliche Infektionsquelle sein könnten.
  • Personen mit regelmäßigem, häufigem und direktem Kontakt zu bestimmten Tieren wie Schweinen, Geflügel, Wildvögeln oder Robben. Die Empfehlung kann private und berufliche Kontakte betreffen.

Bei erhöhtem beruflichem Risiko empfiehlt die STIKO die Impfung außerdem etwa medizinischem Personal, Beschäftigten in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr und Menschen, die beruflich mögliche Infektionsquellen für betreute Risikopersonen sind. Für regelmäßigen direkten Tierkontakt nennt das RKI unter anderem Nutztierhaltungen, Tierarztpraxen, Zoos, Tierheime und Schlachthöfe. Entscheidend ist die konkrete Tätigkeit und Exposition, nicht allein die Berufsbezeichnung.

Ist die Impfung auch für gesunde Menschen unter 60 sinnvoll?

Für gesunde Erwachsene unter 60 Jahren und gesunde Kinder empfiehlt die STIKO die saisonale Grippeimpfung nicht pauschal. Das ist keine Empfehlung gegen eine Impfung: Wer sich zusätzlich schützen möchte, kann mit einer Ärztin oder einem Arzt klären, ob sie im eigenen Fall sinnvoll ist. Auch die RKI-FAQ weist darauf hin, dass eine fehlende STIKO-Empfehlung nicht bedeutet, dass die Impfung anderen Personen abgeraten wird.

Bei Kindern und Jugendlichen gilt in Deutschland eine gezielte Empfehlung für Kinder ab sechs Monaten mit relevanten Grunderkrankungen; eine allgemeine Impfempfehlung für alle gesunden Kinder ist in der aktuellen RKI-Empfehlung nicht enthalten. Wird ein Kind erstmals geimpft, können abhängig von Alter und Impfstoff zwei Dosen im Abstand von etwa vier Wochen erforderlich sein. Die Arztpraxis prüft dies anhand der Fachinformation und des Impfpasses.

Praktische Entscheidung: Wenn Sie gesund und jünger als 60 sind, wägen Sie persönlichen Schutz, häufige Kontakte und mögliche berufliche Exposition ab. Fragen Sie Ihre Krankenkasse vor dem Termin, ob sie die Impfung außerhalb der STIKO-Zielgruppen bezahlt; manche Kassen übernehmen sie freiwillig für weitere Versicherte. Auch Arbeitgeber bieten gelegentlich Impfungen an. Eine allgemeine Erstattung lässt sich daraus nicht ableiten.

Wann ist der beste Zeitpunkt?

Die STIKO empfiehlt die Influenza-Impfung jährlich im Herbst. Der Körper benötigt nach der Impfung ungefähr 10 bis 14 Tage, um einen ausreichenden Schutz aufzubauen. Wer im Herbst noch keinen Impftermin hatte, muss die Impfung deshalb nicht automatisch abschreiben: Grippewellen können auch später im Winter auftreten, und eine spätere Impfung kann weiterhin sinnvoll sein. Am 27. Oktober 2026 liegt der empfohlene Herbstzeitraum; ob ein Termin im Einzelfall passt, hängt unter anderem von Gesundheitszustand und Verfügbarkeit ab.

Eine jährliche Auffrischung ist nötig, weil sich Influenzaviren verändern und die Impfstoffzusammensetzung an die für die jeweilige Saison erwarteten Varianten angepasst wird. Zudem nimmt der Impfschutz mit der Zeit ab. Prüfen Sie daher für jede Saison neu, ob Sie zu einer empfohlenen Gruppe gehören und ob die aktuelle Dosis bereits dokumentiert ist.

Was sollte man vor dem Termin prüfen?

  1. Impfpass ansehen: Suchen Sie nach dem Eintrag für die aktuelle Saison. Eine Grippeimpfung aus dem Vorjahr ersetzt die neue Dosis nicht.
  2. Eigene Risikofaktoren notieren: Dazu gehören chronische Erkrankungen, eine Schwangerschaft, immunsuppressive Medikamente und regelmäßiger Kontakt zu gefährdeten Menschen oder bestimmten Tieren.
  3. Besonderheiten ansprechen: Informieren Sie die impfende Person über frühere schwere allergische Reaktionen, bekannte Allergien, eine Immunschwäche und aktuelle Beschwerden. Bei einer akuten fieberhaften Erkrankung oder einer schwereren akuten Infektion soll die Impfung in der Regel verschoben werden. Eine starke Allergie gegen Bestandteile des Impfstoffs muss ärztlich eingeordnet werden.
  4. Kosten klären: Für gesetzlich Versicherte richtet sich die Regelversorgung nach der Schutzimpfungs-Richtlinie. Bei einer Impfung außerhalb der empfohlenen Gruppen sollten Sie vorab die eigene Krankenkasse fragen, statt eine Erstattung vorauszusetzen.

Welche Reaktionen sind normal – und was kann die Impfung leisten?

Nach einer Impfung können der Arm schmerzen oder die Einstichstelle gerötet und geschwollen sein. Vorübergehend sind auch Müdigkeit, Kopf- oder Gliederschmerzen und leichtes Fieber möglich. Das sind meist kurzzeitige Impfreaktionen. Schwere Komplikationen sind laut RKI sehr selten. Wenn Sie nach einer Impfung ungewöhnlich starke oder anhaltende Beschwerden haben, holen Sie medizinischen Rat ein.

Ein verbreitetes Missverständnis: Die üblichen injizierten Grippeimpfstoffe sind inaktivierte Impfstoffe und können keine Influenza auslösen. Für Kinder und Jugendliche im Alter von zwei bis einschließlich 17 Jahren gibt es zusätzlich einen abgeschwächten Lebendimpfstoff als Nasenspray; er ist nicht für alle geeignet, zum Beispiel gelten bei bestimmten Immundefekten Einschränkungen. Fragen Sie bei Vorerkrankungen nach der passenden Variante.

Keine Grippeimpfung schützt hundertprozentig. Eine Infektion kann trotzdem vorkommen, etwa wenn der Kontakt mit dem Virus kurz vor der Impfung oder während der ersten 10 bis 14 Tage danach stattfindet. Außerdem verursacht die Impfung keinen Schutz vor gewöhnlichen Erkältungsviren. Ihr Nutzen liegt darin, das Risiko einer Influenza-Erkrankung zu verringern und insbesondere schwere Verläufe in gefährdeten Gruppen zu verhindern oder abzumildern; die Wirksamkeit schwankt von Saison zu Saison.

Welche Quellen sind für die persönliche Entscheidung hilfreich?

Die STIKO-Empfehlung und die RKI-FAQ sind die maßgeblichen Anlaufstellen für Zielgruppen und Besonderheiten. Für die Erklärung von Grippe, saisonalem Zeitpunkt und Impfschutz bietet das Bundesgesundheitsportal eine verständliche Übersicht. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung erläutert, wie sich die Kostenübernahme nach Empfehlung und Krankenkasse unterscheidet. Prüfen Sie bei individuellen Erkrankungen, Allergien, Schwangerschaft oder immunsuppressiver Behandlung die Situation mit Ihrer Praxis.

Offizielle Informationen: RKI: Impfempfehlung gegen Influenza, Stand 10. September 2026; RKI: Antworten auf häufige Fragen zur Grippeimpfung; RKI-Faktenblatt zur Influenza-Impfung, September 2026; Bundesgesundheitsportal: Grippe, Vorbeugung und Zeitpunkt der Impfung; Kassenärztliche Bundesvereinigung: Grippeschutzimpfung und Kostenübernahme.

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