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Glaukom (Grüner Star): Symptome, Früherkennung und Behandlung – Stand 5. November 2026
Glaukom (Grüner Star): Symptome, Früherkennung und Behandlung – Stand 5. November 2026
Stand der Quellenprüfung: 5. November 2026, 10:48 Uhr MEZ (Berlin, UTC+01:00; 09:48 Uhr UTC).
Ein Glaukom, auch Grüner Star genannt, kann den Sehnerv schädigen, lange bevor Betroffene Veränderungen beim Sehen bemerken. Entscheidend ist deshalb eine augenärztliche Abklärung bei Verdacht oder erhöhtem Risiko. Bereits entstandene Schäden lassen sich nicht rückgängig machen; durch rechtzeitige Behandlung kann weiterer Sehverlust aber häufig verhindert oder verlangsamt werden. Plötzlich starke Augenschmerzen, ein rotes Auge und akute Sehstörungen sind dagegen ein Notfall und müssen sofort medizinisch abgeklärt werden.
In Deutschland ist außerdem wichtig zu unterscheiden: Eine Untersuchung zur Abklärung konkreter Beschwerden oder eines begründeten Glaukomverdachts ist etwas anderes als ein allgemeines Früherkennungsangebot für beschwerdefreie Menschen, das häufig als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) berechnet wird. Für den Nutzen eines flächendeckenden Screenings fehlen weiterhin aussagekräftige Studien.
Destaques – das Wichtigste
Das häufige Offenwinkelglaukom entwickelt sich meist langsam und anfangs ohne erkennbare Symptome.
Ein normaler Augeninnendruck schließt ein Glaukom nicht aus; die Untersuchung des Sehnervs gehört zur Abklärung.
Augentropfen, Laserbehandlungen oder Operationen können den Augeninnendruck senken, bestehende Sehnervschäden aber nicht heilen.
Akute starke Augen- oder Kopfschmerzen mit gerötetem Auge, Sehverschlechterung oder Übelkeit: sofort augenärztliche Notfallhilfe suchen.
Symbolbild: Eine Untersuchung an der Spaltlampe kann Teil der augenärztlichen Abklärung bei Verdacht auf Grünen Star sein.
Was ist ein Glaukom und wie entsteht der Grüne Star?
„Glaukom“ bezeichnet eine Gruppe von Augenerkrankungen, bei denen der Sehnerv geschädigt wird. Er leitet die Sehinformationen vom Auge an das Gehirn weiter. Sterben Nervenfasern ab, können im Gesichtsfeld blinde Stellen entstehen. Das Gesichtsfeld beschreibt den Bereich, den man sieht, ohne die Augen oder den Kopf zu bewegen.
Häufig spielt ein erhöhter Augeninnendruck eine Rolle. Im Auge wird fortlaufend Kammerwasser gebildet und abgeführt. Ist sein Abfluss gestört, kann der Druck steigen und den Sehnerv belasten. Allerdings entwickelt sich nicht jeder erhöhte Augeninnendruck zu einem Glaukom. Umgekehrt erkranken Menschen auch bei Werten im üblichen Druckbereich: Das nennt man Normaldruckglaukom.
Die häufigste Form ist das Offenwinkelglaukom. Es entwickelt sich gewöhnlich über Jahre. Das seltenere Engwinkelglaukom kann ebenfalls unbemerkt bestehen, in bestimmten Situationen aber einen plötzlichen Glaukomanfall auslösen. Eine weitere Unterscheidung betrifft primäre Formen ohne andere erkennbare Augenerkrankung und sekundäre Glaukome, etwa nach Entzündungen oder Verletzungen.
Welche Symptome hat ein Glaukom im Anfangsstadium?
Ein frühes Offenwinkelglaukom verursacht oft keine Schmerzen und keine auffällige Sehverschlechterung. Häufig bleibt das scharfe Sehen geradeaus zunächst erhalten, während sich seitlich oder in anderen Teilen des Gesichtsfelds Lücken entwickeln. Deshalb sind auch normale Ergebnisse beim Lesen oder einer einfachen Sehschärfeprüfung allein kein sicherer Ausschluss.
Bei weiter fortgeschrittenen Schäden können Betroffene Hindernisse am Rand ihres Sichtbereichs übersehen, sich bei wechselndem Licht schlechter orientieren oder im Straßenverkehr Objekte seitlich verspätet wahrnehmen. Solche Veränderungen haben allerdings auch andere mögliche Ursachen und gehören fachärztlich untersucht.
Wann ist ein Glaukomanfall ein medizinischer Notfall?
Bei einem akuten Winkelblock kann der Augeninnendruck rasch stark ansteigen. Warnzeichen sind heftige Augen- und Kopfschmerzen, plötzlich verschwommenes Sehen, ein gerötetes Auge, gegebenenfalls farbige Ringe um Lichtquellen sowie Übelkeit oder Erbrechen. Bei plötzlich auftretenden Beschwerden dieser Art sofort eine augenärztliche Notaufnahme oder Notfallambulanz aufsuchen; nicht erst auf einen regulären Termin warten und möglichst nicht selbst fahren. In Deutschland kann bei einem schweren akuten Notfall die 112 angerufen werden. Die frühe Behandlung ist wichtig, da innerhalb kurzer Zeit bleibende Sehschäden drohen.
Wer hat ein erhöhtes Glaukomrisiko?
Das Risiko steigt unter anderem mit dem Lebensalter. Eine Glaukomerkrankung bei Eltern oder Geschwistern, ausgeprägte Kurzsichtigkeit und Diabetes zählen ebenfalls zu bekannten Risikofaktoren. Auch ein hoher Augeninnendruck erhöht das Risiko, wobei die Hornhautdicke und individuelle Eigenschaften des Sehnervs die Einordnung beeinflussen. Längerfristige Kortisonanwendung kann zusätzlich relevant sein; Medikamente sollten deswegen aber nicht eigenmächtig abgesetzt werden.
Wer zur Risikogruppe gehört, sollte dies bei einer augenärztlichen Beratung ansprechen. Ein allgemeiner starrer Untersuchungsrhythmus für alle Menschen lässt sich aus der derzeitigen Studienlage zur Früherkennung nicht ableiten. Die sinnvolle Häufigkeit hängt von Befunden, Alter, familiärer Belastung und ärztlicher Einschätzung ab.
Wie wird ein Glaukom festgestellt?
Zur Diagnose beurteilt eine Augenärztin oder ein Augenarzt mehrere Befunde gemeinsam. Dazu gehören die Krankengeschichte, die Untersuchung des vorderen Augenabschnitts mit einer Spaltlampe, die Betrachtung des Sehnervenkopfs und die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie). Je nach Ergebnis folgen weitere Untersuchungen:
Gesichtsfeldmessung (Perimetrie): Sie kann Ausfälle sichtbar machen, die im Alltag noch nicht auffallen.
Beurteilung von Sehnerv und Nervenfaserschicht: Die Augenärztin oder der Augenarzt sucht nach strukturellen Veränderungen; ergänzend kann die optische Kohärenztomografie (OCT) sinnvoll sein.
Untersuchung des Kammerwinkels: Sie hilft bei der Einordnung, ob ein offener oder enger Abflusswinkel vorliegt.
Weitere Messungen: Etwa Hornhautdicke oder wiederholte Druckmessungen, wenn sie für die Beurteilung gebraucht werden.
Eine einzelne Druckmessung kann ein Glaukom weder zuverlässig nachweisen noch ausschließen. Werte von etwa 10 bis 21 mmHg werden häufig als üblicher Bereich beschrieben; die Diagnose und die Entscheidung zur Behandlung richten sich jedoch nicht allein nach einem Grenzwert. Auch die Veränderung der Befunde im Zeitverlauf ist wichtig.
Glaukom-Früherkennung: Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?
In Deutschland bieten viele Augenarztpraxen Glaukom-Früherkennung als IGeL für Menschen ohne Beschwerden und ohne begründeten Verdacht an. Der IGeL-Monitor nennt für eine Augenspiegelung zusammen mit einer Augeninnendruckmessung in der Regel Kosten von 20 bis 40 Euro; konkrete Angebote und zusätzliche Untersuchungen können abweichen. Besteht ein begründeter Glaukomverdacht oder eine entsprechende medizinische Indikation, werden notwendige diagnostische Leistungen grundsätzlich über die gesetzliche Krankenversicherung erbracht.
Der Nutzen eines allgemeinen Screenings beschwerdefreier Menschen zur Verhinderung von Erblindung ist nicht ausreichend durch aussagekräftige Studien belegt. Der IGeL-Monitor bewertet die kombinierte Früherkennungsleistung deshalb als „tendenziell negativ“. Das bedeutet nicht, dass eine ärztliche Abklärung bei Symptomen oder auffälligem Befund unnötig wäre. Für die Entscheidung über eine Selbstzahlerleistung sollte die Praxis erklären, welche Untersuchungen vorgesehen sind, welche Unsicherheiten bestehen und wann die Krankenkasse zahlt.
Welche Behandlung hilft bei Grünem Star?
Das zentrale Behandlungsziel besteht darin, den Augeninnendruck auf einen individuell festgelegten Zielwert zu senken und das Fortschreiten der Sehnervschädigung zu verhindern oder zu verlangsamen. Eine Heilung bereits zerstörter Nervenfasern ist bislang nicht möglich. Welche Therapie passt, hängt unter anderem von Glaukomform, Ausgangsdruck, Gesichtsfeld, Verträglichkeit und bisherigem Verlauf ab.
Augentropfen: Häufig die erste Therapie
Drucksenkende Augentropfen können die Kammerwasserproduktion reduzieren oder den Abfluss verbessern. Dazu zählen beispielsweise Prostaglandinanaloga und Betablocker. Präparate unterscheiden sich in Anwendung und Nebenwirkungen; insbesondere Betablocker sind nicht für alle Menschen geeignet. Wichtig ist, die Tropfen genau nach Verordnung zu verwenden und bei Schwierigkeiten, Rötung oder Unverträglichkeit die behandelnde Praxis anzusprechen, statt die Behandlung eigenständig zu beenden.
Laser und Operation: Wann werden Eingriffe notwendig?
Eine Laserbehandlung kann bei bestimmten Glaukomformen den Kammerwasserabfluss verbessern, etwa durch eine Lasertrabekuloplastik beim Offenwinkelglaukom. Bei einem akuten Winkelblock kommt je nach Situation ein anderes Laserverfahren infrage. Reichen Tropfen oder Laser nicht aus oder bestehen Unverträglichkeiten, können operative Verfahren wie eine Trabekulektomie oder ausgewählte minimalinvasive Eingriffe erwogen werden. Jede Methode hat eigene Vorteile und Risiken; über die konkrete Wahl wird individuell entschieden.
Was bedeutet die Diagnose für Alltag und Sehvermögen?
Ein Glaukom führt nicht zwangsläufig zur Erblindung. Viele Betroffene können bei wirksamer Behandlung über lange Zeit ausreichend sehen. Maßgeblich sind die Befunde bei Diagnosestellung, die Form der Erkrankung und das Ansprechen auf die Therapie. Kontrolltermine dienen dazu, Augeninnendruck, Sehnerv und Gesichtsfeld wiederholt zu überprüfen. Dabei können Medikamente angepasst oder weitere Behandlungsschritte empfohlen werden.
Im Alltag ist es hilfreich, die verordneten Tropfen fest in eine Routine einzubauen, Kontrolltermine zu notieren und Nebenwirkungen sowie Veränderungen des Sehens anzusprechen. Wer Gesichtsfeldausfälle bemerkt, sollte besonders das sichere Verhalten im Straßenverkehr mit der Augenärztin oder dem Augenarzt besprechen. Nahrungsergänzungsmittel, Hausmittel oder ein „Augentraining“ sind kein Ersatz für eine nachweislich drucksenkende Glaukomtherapie.
Welche Fragen lohnen sich beim Termin in der Augenarztpraxis?
Gibt es Hinweise auf eine Sehnervschädigung oder lediglich einen auffälligen Augeninnendruck?
Welche Befunde sprechen für eine bestimmte Glaukomform, und welche Untersuchungen sind noch nötig?
Wie hoch ist mein individuelles Risiko und welcher Zieldruck wird angestrebt?
Welche Vor- und Nachteile haben Tropfen, Laser und Operation in meinem Fall?
Welche Untersuchungen übernimmt die Krankenkasse, und welche wären IGeL?
Wer solche Fragen vorbereitet, kann Befunde und Behandlungsschritte besser einordnen. Entscheidend ist nicht, aus einer einzelnen Zahl selbst eine Diagnose abzuleiten, sondern die Ergebnisse gemeinsam mit einer augenärztlichen Fachperson zu bewerten.
FAQ: Häufige Fragen zum Glaukom
Kann man Grünen Star haben, obwohl der Augendruck normal ist?
Ja. Beim Normaldruckglaukom entstehen Schäden am Sehnerv trotz Druckwerten im üblichen Bereich. Deshalb gehört zur Abklärung mehr als eine Augeninnendruckmessung.
Ist ein Glaukom heilbar?
Bereits entstandene Sehnervschäden lassen sich derzeit nicht rückgängig machen. Drucksenkende Tropfen, Laserbehandlungen oder Operationen können das Fortschreiten aber häufig deutlich bremsen.
Muss ich die Glaukom-Früherkennung in Deutschland selbst bezahlen?
Ein allgemeines Screening ohne Beschwerden oder begründeten Verdacht ist häufig eine IGeL. Liegt ein medizinischer Verdacht vor, ist die erforderliche Diagnostik grundsätzlich eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die konkrete Abrechnung sollte die Praxis vor der Untersuchung erklären.