01. Historischer Kontext
Der DAX 40 weist eine starke zyklische Hebelwirkung auf, die sich bis ins Jahr 2027 in beide Richtungen auswirkt.
Der DAX startete mit ungewöhnlich starker Dynamik ins Jahr 2026 und durchbrach Anfang Januar die Marke von 25.000 Punkten. Diese Stärke spiegelte nicht nur eine verbesserte Stimmung wider, sondern auch eine Marktstruktur, die auf Industrieunternehmen, Softwarefirmen, Investitionsgüterhersteller und Versicherer ausgerichtet ist, die schnell reagieren können, wenn sich das globale Wachstum und die fiskalischen Erwartungen verbessern.
| Horizont | Was am wichtigsten ist | Aktuelle Bewertung | Was würde die These schwächen? |
|---|---|---|---|
| 1-3 Monate | Deutsche Inflation und Anleiherenditen | Das Wachstum verbesserte sich, aber der Verbraucherpreisindex beschleunigte sich wieder. | Die Renditen von Bundesanleihen steigen aufgrund der anhaltend hohen Inflation. |
| 6-18 Monate | Gewinnbreite | Konstruktiv, wenn sich die fiskalischen Impulse durchsetzen. | Preisanpassungen folgen den Kursgewinnen nicht. |
| Bis 2027 | Kann der Gewinn je Aktie mit der Bewertung Schritt halten? | Ja, aber nicht ohne kontinuierliche makroökonomische Nachverfolgung. | Die industrielle Nachfrage schwächt sich ab, während die Aktienkurse hoch bleiben. |
Die jüngsten Wirtschaftsdaten geben Anlass zu Optimismus. Das deutsche Statistikamt Destatis meldete für das erste Quartal 2026 ein BIP-Wachstum von 0,3 % gegenüber dem Vorquartal, nach einem Anstieg von 0,2 % im vierten Quartal 2025. Gleichzeitig verzeichnete das Amt jedoch für April 2026 einen Anstieg des Verbraucherpreisindex (VPI) um 2,9 % gegenüber dem Vorjahr, wobei die Energiepreise um 10,1 % stiegen. Diese Kombination hält die positive Prognose für den DAX aufrecht, birgt aber gleichzeitig Bewertungsrisiken.
Der DAX-Proxy von BlackRock wies am 6. Mai 2026 ein KGV von 18,02 und ein KBV von 1,95 auf. Das ist zwar noch keine Blase, aber hoch genug, dass die Renditen im Jahr 2027 wahrscheinlich durch Gewinne bestätigt werden müssen.
02. Schlüsselkräfte
Fünf Faktoren, die jetzt für den DAX am wichtigsten sind
Der erste Faktor ist der Hebel der Gewinne. Laut einer öffentlichen Analyse der Deutschen Bank zu DAX und MDAX erwarten Analysten für den DAX sowohl 2026 als auch 2027 ein Gewinnwachstum von 15 %. Dies ist der wichtigste öffentliche Hinweis auf einen Aufwärtstrend am Markt, da der DAX bereits einen Teil der Kursentwicklung vorweggenommen hat.
Der zweite Faktor ist die Inflation. Laut Destatis wird der deutsche Verbraucherpreisindex im April 2026 bei 2,9 % liegen, die Kerninflation bei 2,3 %. Das ist relevant, denn ein zyklischer, exportorientierter Index kann zwar ein höheres nominales Wachstum verkraften, wird aber anfälliger, wenn höhere Energiepreise auch die Realrenditen hoch halten.
Die dritte Triebkraft ist der fiskalische Impuls. Die Deutsche Bank hob die deutsche Schuldenbremsenreform und eine Reihe öffentlicher und privater Investitionszusagen hervor. Sollten sich dies in realen Aufträgen, industriellen Investitionen und Binnenkonjunktur niederschlagen, verfügt der DAX über einen der deutlichsten Gewinnkanäle in Europa.
Der vierte Faktor ist die Bewertung zu Beginn. BlackRocks Kennzahl von 18,02x Gewinn und 1,95x Buchwert deutet darauf hin, dass der Index nicht mehr eindeutig günstig ist. Das erhöht die Anforderungen für jede Berichtssaison.
| Faktor | Aktuelle Bewertung | Voreingenommenheit | Bullischer Auslöser | Bärischer Auslöser |
|---|---|---|---|---|
| Bewertung | KGV 18,02, KBV 1,95 am 6. Mai 2026 | Neutral | Das Gewinnwachstum hält das KGV nahe dem aktuellen Niveau. | Das KGV sinkt bei höherer Inflation unter 17. |
| Makrowachstum | Das BIP wird im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 % steigen. | Bullisch | Konsum, Exporte und Investitionsausgaben bleiben alle positiv. | Das Wachstum im zweiten Quartal flacht wieder auf null ab. |
| Inflation | Verbraucherpreisindex 2,9 %, Kerninflation 2,3 % im April 2026 | Bärisch | Der Energieschock lässt nach und der Verbraucherpreisindex sinkt. | Die energiebedingte Inflation bleibt über 2,5 %. |
| Gewinnausblick | Die Deutsche Bank prognostiziert für 2026 und 2027 ein Wachstum von 15 %. | Bullisch | Die Änderungen gelten über die gesamte Berichtssaison hinweg. | Auftragsbücher schwächen sich ab und Revisionen werden verschoben |
| Fiskalimpuls | Unterstützend, aber noch zu früh | Bullisch | Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben fließen ein | Die Umsetzung hinkt hinterher und die Stimmungslage übersteigt die Ausgaben |
Die fünfte Kraft ist die Zusammensetzung. Zu den am stärksten gewichteten Unternehmen bei BlackRock gehören Siemens, SAP, Allianz, Siemens Energy und Airbus. Anders ausgedrückt: Der DAX basiert auf einem hohen Beta-Wert und setzt auf Investitionsausgaben, Ingenieurleistungen, Software und handelsabhängige industrielle Cashflows, anstatt allein auf den Inlandsverbrauch.
03. Gegenstück
Was würde die DAX-These widerlegen?
Das erste Ausfallszenario ist simpel: Die Inflation bleibt hoch genug, um die Finanzierungsbedingungen angespannt zu halten, während Investoren weiterhin den vollen Multiplikator zahlen. Angesichts eines Verbraucherpreisindex von 2,9 % und eines Anstiegs der Energiepreise um 10,1 % gegenüber dem Vorjahr im April 2026 ist dieses Risiko nicht theoretisch.
Der zweite Fehlergrund sind enttäuschende Gewinne. Der DAX kann eine höhere Bewertung nur dann rechtfertigen, wenn das von Analysten erwartete Gewinnwachstum tatsächlich eintritt. Verlangsamt sich der globale Industriezyklus, schwächelt die Exportnachfrage oder trifft der chinesische Wettbewerb die Automobil- und Investitionsgüterbranche härter, kann sich der Revisionszyklus schnell ändern.
Das dritte Risiko besteht darin, dass die fiskalische Begeisterung zu früh in den Marktpreisen eingepreist ist. Politische Ankündigungen verbessern die Stimmung zwar schnell, doch konkrete Ausgaben und höhere private Investitionen benötigen Zeit.
| Risiko | Neueste Datenpunkte | Warum es wichtig ist | Was als Nächstes zu überwachen ist |
|---|---|---|---|
| Länger anhaltende höhere Inflation | Verbraucherpreisindex 2,9 %, Kernrate 2,3 %, Energie +10,1 % | Verringert den Bewertungsspielraum | Monatlicher Verbraucherpreisindex und Renditen von Bundesanleihen |
| Gewinnerwartungen verfehlt | Die Deutsche Bank prognostiziert für 2026-2027 ein Wachstum von 15 %. | Der Preis berücksichtigt bereits eine starke Umsetzung. | Revisionsumfang und Bestellbücher |
| Wachstumsrückfall | Das BIP wird im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 % steigen. | Der DAX benötigt Wachstum, um seine Zyklizität zu bestätigen. | BIP, Exporte und Industrieproduktion im zweiten Quartal |
| Politische Verzögerung | Der fiskalische Optimismus ist hoch, aber die Umsetzung ist noch im Gange. | Erzählungen können die Realität überholen. | Investitionszusagen und Durchführung öffentlicher Ausgaben |
Eine gescheiterte Prognose für das Jahr 2027 würde sich daher in den Daten durch langsamere Revisionen, eine stärkere Inflation und eine schwächere Auftragsdynamik bemerkbar machen, nicht unbedingt durch einen unmittelbar bevorstehenden Rezessionsaldo.
04. Institutionelle Perspektive
Institutionelle Analysen deuten auf einen gewinngetriebenen, nicht stimmungsgetriebenen Aufwärtstrend hin.
Die von der Deutschen Bank veröffentlichte Analyse zu DAX und MDAX ist ungewöhnlich deutlich. Darin heißt es, Analysten erwarteten für 2026 und 2027 ein Gewinnwachstum von 15 % im DAX und argumentierten, dass die Rückkehr Deutschlands zum Wachstum den Indexmitgliedern zugutekommen dürfte, selbst wenn die Gewinne je nach Auslandsumsatzanteil variieren. Dies ist ein starkes positives Signal, das jedoch eindeutig an die Bedingung geknüpft ist, dass sich das Wachstum fortsetzt.
Die Prognose der DZ Bank vom 27. Januar 2026 verwendete eine ähnliche Formulierung und prognostizierte für 2026 ein breit angelegtes Gewinnwachstum. Zusammengenommen deuten diese Einschätzungen der börsennotierten Banken darauf hin, dass der Markt weiterhin auf ein beschleunigtes Unternehmensgewinnwachstum setzt und nicht auf eine bloße Steigerung der Kurs-Gewinn-Verhältnisse.
| Institution / Quelle | Aktualisiert | Was es aussagt | Warum das hier wichtig ist |
|---|---|---|---|
| Deutsche Bank | Veröffentlichung im August 2025 | Analysten prognostizieren für den DAX ein Gewinnwachstum von 15 % in den Jahren 2026 und 2027. | Liefert die grundlegende EPS-Argumentation hinter Aufwärtsszenarien. |
| DZ Bank | 27. Januar 2026 | Breites Gewinnwachstum im Jahr 2026 erwartet | Bestätigt die gewinnorientierte These branchenübergreifend. |
| Destatis | April-Mai 2026 | Das BIP verbesserte sich, der Verbraucherpreisindex beschleunigte sich wieder. | Erklärt, warum sowohl das positive Szenario als auch das Bewertungsrisiko real sind. |
| BlackRock | 6. Mai 2026 | Proxy-Bewertung mit dem 18,02-Fachen des Gewinns und dem 1,95-Fachen des Buchwerts | Zeigt, dass DAX bereits weiterhin ausgeführt werden muss. |
Die institutionelle Analyse ist zwar konstruktiv, setzt aber auch hohe Maßstäbe. Sobald die Gewinne zum Hauptargument werden, ist jede einzelne Berichtssaison wichtiger als die Darstellung selbst.
05. Szenarien
Wahrscheinlichkeitsgewichtete Szenarien bis 2027
Die nachfolgenden DAX-Szenarien sind analytische Spannen, die auf dem aktuellen Niveau, veröffentlichten Gewinnprognosen und offiziellen deutschen Konjunkturdaten basieren. Sie stellen keine exakten, veröffentlichten Bankziele für 2027 dar.
Das Basisszenario geht von weiterhin positivem Wachstum, einem allmählichen Rückgang der Inflation und ausreichend hohen Gewinnen aus, um die Bewertung stabil zu halten. Das optimistische Szenario geht davon aus, dass fiskalische Maßnahmen und eine höhere Investitionsintensität die Revisionen nach oben treiben. Das pessimistische Szenario nimmt an, dass der Markt vor Veröffentlichung der Gewinnzahlen zu einer Abwertung gezwungen ist.
| Szenario | Wahrscheinlichkeit | Arbeitsbereich | Gemessener Auslöser | Überprüfungsfenster |
|---|---|---|---|---|
| Stier | 35 % | 28.567 bis 29.418 | Das deutsche Wachstum bleibt positiv, die fiskalischen Investitionsausgaben fließen durch und die Revisionen bleiben stark. | Nach den Ergebnissen des dritten und vierten Quartals 2026 |
| Base | 45% | 27.100 bis 27.725 | Das EPS-Wachstum bestätigt die aktuelle Bewertung ohne erneute Neubewertung. | Monatliche Inflation und jede Gewinnsaison |
| Tragen | 20% | 23.272 bis 24.456 | Die Inflation bleibt hoch oder die industrielle Nachfrage schwächt sich so weit ab, dass eine Herabstufung erforderlich wird. | Jedes Quartal mit negativer Revisionsbreite |
Anleger sollten ihre These nach jeder Quartalsberichtssaison und nach jeder größeren Inflationsüberraschung neu bewerten, da dies die beiden Variablen sind, die am ehesten die Wahrscheinlichkeitsverteilung beeinflussen.
Zum jetzigen Zeitpunkt sieht der DAX immer noch wie einer der besseren zyklischen Märkte Europas aus, aber er ist nicht mehr unbestreitbar günstig.
Referenzen
Quellen
- Produktseite, Portfolioeigenschaften und Benchmark-Daten des BlackRock iShares Core DAX UCITS ETF (abgerufen im Mai 2026)
- Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im April 2026 bei +2,9 %
- Statistisches Bundesamt: BIP im ersten Quartal 2026 um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal gestiegen
- Deutsche Bank, DAX und MDAX: Deutsche Aktien im Fokus
- DZ Bank Research, DAX 2026: Breites Gewinnwachstum erwartet
- Investing.com DAX historische Daten
- UBS House View, März 2026