01. Historischer Kontext
Die These für das Jahrzehnt lautet, dass der DAX Europas führender Industrie- und Software-Betaindex bleibt.
In zehn Jahren wird die wichtigste Frage sein, ob Deutschland aus seinem alten Niedrigwachstumsgleichgewicht mit einer breiteren Investitionsbasis hervorgeht. Wenn ja, dürfte der DAX einer der größten Nutznießer unter den börsennotierten Unternehmen in Europa sein.
| Horizont | Was am wichtigsten ist | Aktuelle Bewertung | Was würde die These schwächen? |
|---|---|---|---|
| 1-3 Monate | Inflation und Stimmung | Flüchtig | Weiterer Energieschock |
| 6-18 Monate | Gewinnbestätigung | Konstruktiv | Überarbeitungen verschlechtern sich |
| Bis 2035 | Persistenz des Investitionszyklus | Positiv, aber unbewiesen | Die Wachstumsreform verpufft oder die globale Nachfrage schwächt sich strukturell ab |
Die Ausgangslage ist günstig, aber nicht trivial. Das Wachstum verbesserte sich Anfang 2026, Analysten der öffentlichen Banken prognostizierten starke Gewinne, und der Index hatte bereits Rekordwerte erreicht. Das ist ein guter Ausgangspunkt für weiteres Wachstum, aber kein Grund zur Selbstzufriedenheit.
Der Erfolg im Jahr 2035 hängt daher von der Beständigkeit ab: von wiederholtem Gewinnwachstum über mehrere Zyklen hinweg, nicht nur von einer einzelnen Haushaltsankündigung oder einem einzigen Glücksjahr für die Exporteure.
02. Schlüsselkräfte
Was ist für eine DAX-Prognose bis 2035 wichtig?
Die erste entscheidende Frage ist, ob Deutschland über viele Jahre hinweg tatsächlich in großem Umfang investiert und ausgibt. Der DAX hat bessere Chancen auf ein Jahrzehnt, wenn die Fiskalpolitik nicht nur die Stimmung, sondern auch den Kapitalstock verändert.
Die zweite Stärke liegt in der technologischen Zusammensetzung. Mit SAP, Siemens, Siemens Energy, Airbus und anderen führenden Investitionsgüterherstellern ist der DAX in den Bereichen Industriesoftware, Elektrifizierung und Verteidigung stark vertreten.
Der dritte Faktor ist die Disziplin bei der Bewertung. Selbst starke Unternehmen, die über ein Jahrzehnt erfolgreich sind, leiden, wenn sie von übertriebenem Optimismus ausgehen. Deshalb ist das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,02 weiterhin relevant.
Die vierte Kraft ist die Energie- und Handelssicherheit. Eine Betrachtung Deutschlands über ein Jahrzehnt kann Lieferketten, Exportabhängigkeit und Energieabhängigkeit nicht außer Acht lassen.
| Faktor | Aktuelle Bewertung | Voreingenommenheit | Bullischer Auslöser | Bärischer Auslöser |
|---|---|---|---|---|
| Investitionszyklus | Potenziell stark | Bullisch | Investitionsausgaben und Reformen werden von allen Regierungen fortgesetzt. | Die Begeisterung für die Politik schwindet. |
| Branchenqualität | Hohe industrielle und Software-Verschuldung | Bullisch | Führungskräfte setzen langfristige Trends weiterhin in Gewinn pro Aktie um. | Die Abhängigkeit von der alten Wirtschaft dominiert |
| Inflationsregime | Noch immer unruhig | Neutral | Niedrigere durchschnittliche Inflation und stabilere Energieversorgung | Wiederholte Kursausschläge setzen die Bewertung zurück |
| Ausgangsbewertung | Gesund, nicht billig | Neutral | Die Gewinne wachsen schneller als der Preis | Das Jahrzehnt beginnt mit einer Herabstufung |
| Globale Nachfrage | Essentiell | Neutral | Die Nachfrage aus Handel und Industrie bleibt robust. | Langfristiger Gegenwind für Exporte verstärkt sich |
Der fünfte Faktor ist die institutionelle Kapitalallokation. Wenn Europa weiterhin unterbewertet erscheint und Deutschland ein nachhaltigeres Wachstum liefert, kann der DAX nachhaltige Kapitalzuflüsse anziehen, anstatt nur sporadische taktische Käufe zu tätigen.
03. Gegenstück
Das Problem des Jahrzehntbären ist nicht der Zusammenbruch Deutschlands, sondern die chronische Unterversorgung.
Das zentrale Risiko im Jahr 2035 besteht darin, dass die Märkte sich endlich für Deutschland begeistern, gerade als sich der tatsächliche wirtschaftliche Nutzen als langsamer und geringer als erwartet erweist.
Wenn die Inflation weiterhin volatil bleibt, wenn der Energiepreis ein wiederkehrender externer Schock bleibt oder wenn die DAX-Gewinne weiterhin auf wenige Gewinner konzentriert bleiben, kann der Markt Jahre damit verbringen, den Optimismus nach unten zu korrigieren.
Ein weiteres Risiko stellt der strategische Wettbewerb dar. Deutsche Automobil-, Maschinenbau- und Exportunternehmen stehen weiterhin unter Druck aus China, durch die US-Handelspolitik und durch die Rückverlagerung von Industrien in andere Länder.
| Risiko | Neueste Datenpunkte | Warum es wichtig ist | Was als Nächstes zu überwachen ist |
|---|---|---|---|
| Unzureichende Umsetzung der Richtlinien | Fiskalischer Optimismus ist bereits in der öffentlichen Forschung verankert. | Die Erwartungen sind hoch | Investitionsausgaben und Industrieaufträge |
| Inflationsschwankungen | Verbraucherpreisindex 2,9 % im April 2026 | Erhöht die Hürde für eine langfristige Neubewertung. | Energie- und Kern-VPI-Trend |
| Externer Wettbewerb | exportorientierter Branchenmix | Kann Gewinnmargen und Wachstum schmälern | Handelsdaten und Revisionen auf Sektorebene |
| Enge Führung | Konzentrierte Indexgewichte | Eine geringe Breite verringert die Haltbarkeit | EPS-Breite über 40 Bestandteile |
Ein schwaches Ergebnis im Jahr 2035 ist daher auch ohne Krise plausibel. Es setzt lediglich voraus, dass der Markt die Breite und Dauerhaftigkeit der Gewinnerholung weiterhin überschätzt.
04. Institutionelle Perspektive
Institutionelle Belege sprechen für eine konstruktive langfristige Haltung, aber nur, wenn sich der Zyklus ausweitet.
Öffentliche Studien der Deutschen Bank und der DZ Bank belegen eine deutliche institutionelle Präferenz für deutsche Aktien, wenn die Gewinne an einen fiskalischen und industriellen Aufschwung gekoppelt sind. Dies stellt einen echten Vorteil gegenüber ungenaueren europaweiten Prognosen dar.
Vorsicht ist geboten, da die offiziellen Daten weiterhin ein Inflationsrisiko und nur ein moderates aktuelles BIP-Wachstum aufweisen. Das Szenario für ein Jahrzehnt bleibt zwar attraktiv, stellt aber keine risikofreie strukturelle Gewissheit dar.
| Institution / Quelle | Aktualisiert | Was es aussagt | Warum das hier wichtig ist |
|---|---|---|---|
| Deutsche Bank | August 2025 | Zweistellige Gewinnwachstumserwartungen hängen mit Deutschlands Rückkehr zum Wachstum zusammen | Unterstützt die These des langfristigen industriellen Aufschwungs. |
| DZ Bank | Januar 2026 | Breites Gewinnwachstum erwartet | Dies deutet darauf hin, dass sich der Zyklus über eine Handvoll Namen hinaus entwickeln kann. |
| Destatis | April-Mai 2026 | BIP im ersten Quartal positiv, Verbraucherpreisindex erhöht | Zeigt, dass der Zyklus real ist, aber dennoch durch die Inflation begrenzt wird. |
| BlackRock | 6. Mai 2026 | Proxy-Bewertung: 18,02x Gewinn | Verhindert Selbstüberschätzung zu Beginn |
Für 2035 bleibt ein konstruktiver und selektiver Ansatz der richtige.
05. Szenarien
Szenario bis 2035
Die folgenden Angaben sind bewusst breit gefasst, da der Jahrzehntverlauf mehr als ein Marktregime umfassen wird.
Das optimistische Szenario geht davon aus, dass sich die fiskalische und industrielle Neuausrichtung Deutschlands über Jahre hinweg positiv auswirkt. Das Basisszenario geht von starken, aber zyklischen Unternehmensgewinnen aus. Das pessimistische Szenario geht davon aus, dass der Markt weiterhin überhöhte Preise zahlt, bevor die Umsetzung in ausreichendem Umfang erfolgt.
| Szenario | Wahrscheinlichkeit | Arbeitsbereich | Gemessener Auslöser | Überprüfungsfenster |
|---|---|---|---|---|
| Stier | 30 % | 51.317 bis 61.235 | Anhaltende deutsche Investitionsausgaben, starkes Gewinnwachstum und stabile Inflation | Jährliche strategische Überprüfung |
| Base | 45% | 40.955 bis 46.920 | Zyklische, aber nachhaltige Erträge durch Zinseszins | Jeder vollständige Jahresgewinnzyklus |
| Tragen | 25 % | 24.456 bis 29.594 | Unzureichende politische Maßnahmen, wiederholte Inflationsschocks oder strukturelle Exportschwäche | Jeglicher Regimewechsel bei Inflation oder Handel |
Eine These über ein Jahrzehnt sollte anhand struktureller Indikatoren überprüft werden: Haushaltsausführung, Energiesicherheit, Exportwettbewerbsfähigkeit und Breite der Ertragserzielung.
Der DAX kann einer der besten europäischen Langzeitindizes sein. Er kann aber auch einer der schmerzhaftesten sein, wenn der Zyklus enttäuscht.
Referenzen
Quellen
- Produktseite, Portfolioeigenschaften und Benchmark-Daten des BlackRock iShares Core DAX UCITS ETF (abgerufen im Mai 2026)
- Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im April 2026 bei +2,9 %
- Statistisches Bundesamt: BIP im ersten Quartal 2026 um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal gestiegen
- Deutsche Bank, DAX und MDAX: Deutsche Aktien im Fokus
- DZ Bank Research, DAX 2026: Breites Gewinnwachstum erwartet
- Investing.com DAX historische Daten
- UBS House View, März 2026